Hier ist die Luft verbraucht, das Atmen fällt mir schwer.
Bye-Bye, ich muss hier raus, die Wände kommen näher.
Die Welt mit Staub bedeckt, doch ich will sehn wo’s hingeht.
Steig auf den Berg aus Dreck, weil oben frischer Wind weht. (Peter Fox, “Alles neu”)
Hätte man mich noch vor fünf, ach was sag ich, vor zwei Jahren gefragt, ob ich mir PR vorstellen könnte, hätte ich mit einem entschiedenen NEIN geantwortet. Ein Jahr Freiberuflichkeit und eine Familie später sehe ich das nicht nur anders. Ich mache es auch anders und beglückwünsche mich selbst zu meinem neuen Job bei Mediakraft. Dort übernehme ich jetzt genau das, was ich eigentlich nie wollte: die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Journalismus, bitte um die Erlaubnis, von Bord gehen zu dürfen!
Zunächst mal ein paar kurze Worte zu der neuen Stelle. Es ist – glaube ich – einer der coolsten Medienjobs, den man derzeit haben kann. Mediakraft ist das reichweitenstärkste YouTube-Netzwerk Deutschlands, bei dem unter anderem Y-Titty, Ponk, Fresh Torge, LeFLoid und Daaruum dabei sind – neben mehr als 180 weiteren YouTubern, die alle zu den Besten ihres Genres gehören. Das mag dem ein oder anderen jetzt nur wenig sagen. Nun, das zu ändern, wird eine meiner neuen Aufgaben sein. YouTube ist das bestimmende Medium für die Jugendkultur dieser Generation, es wird also einen Riesenspaß machen. Hey, ich bin jetzt bei Viva! (Also dem coolen 90er-Viva mit Stefan Raab und Heike Makatsch und Enie van de Meiklokjes)
Dem Journalismus kehre ich damit also erstmal den Rücken. Ehrlich gesagt: ohne schlechtes Gewissen. Daniel Drepper hat gerade erst geschrieben, es sei “die geilste Zeit Journalist zu werden”. Nun, aus Daniels Perspektive stimmt das. Schließlich ist Daniel auch einer der geilsten Journalisten dieser Zeit. Fußballdoping.de ist ein super Projekt, seine Recherchen zur Medaillenvorgaben des DOSB und des BMI waren ebenso beispielhaft wie bahnbrechend und haben nichts weniger verändert als die Art und Weise, wie in Deutschland über Leistungssport diskutiert wird. Und Daniel ist noch nicht mal 30. Geil!
Es gibt aber auch die ungeile Seite, die gerade zum Beispiel die Redakteure der Westfälischen Rundschau erleben müssen. Oder der FR oder FTD; und es werden weitere folgen, die Journalismus 2013 irgendwie überhaupt nicht geil finden. Ich sage ganz ehrlich: Wer jetzt noch Journalist als Berufsziel angibt, ist entweder unverbesserlicher Idealist (was gut ist!) oder nicht mehr ganz richtig im Kopf. Wir erleben gerade, wie ein Beruf zum Hobby degeneriert. Es wird natürlich eine Elite geben, die dank einer (nicht gut bezahlten) Festanstellung als Redakteur leben kann – eine Familie ernähren ist eine andere Sache. In den Urlaub fahren oder eine Auto bezahlen auch. Ansonsten wird der Journalismus der Zukunft von Studenten betrieben, die von den Eltern finanziert werden und deshalb nicht aufs Geld gucken müssen. Andere werden ihn sich querfinanzieren mit PR oder kellnern oder was weiß ich. Und schließlich wird es welche geben, die einen gut bezahlten Beruf ausüben, aber nebenher immer noch Zeit finden, ein Blog zu betreiben oder mal ein paar schlaue Zeilen für irgendwelche Portale zu dichten. Die letzten Inseln des hauptberuflichen Journalismus werden irgendwann der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk und ein paar wenige überlebende Verlags-Dinos sein. Dahinter, darunter und drumherum: Leidenschaftlich gepflegtes Amateurtum.
Bei mir persönlich kommt dazu: Meine Motivation für diese so genannten alten Medien zu arbeiten, nahm doch recht rapide ab in den letzten Monaten. Wer mag sich noch bei einem Regional-Verlag auf einen höchst wackligen Redakteursstuhl setzen? Wer mag sich noch in den zersetzenden Konkurrenzkampf um einen der wenigen begehrten Arbeitsplätze bei ARD und ZDF stürzen? Und wer hat überhaupt Lust auf privaten Rundfunk? Mein Bauch sagt mir, dass das, was bei Mediakraft passiert, in die Zukunft geht. Und weil ich gerade so wegen der miesen Bezahlung rumgeätzt habe: Reich werde ich bei MK auch nicht. Jedenfalls nicht heute. Aber die Zukunft gehört nicht den RTLs und ARDs und Pro7s. Und den Zeitungsverlagen erst recht nicht. In diesem Sinne:


