Archiv der Kategorie: Jetzt aber mal ernsthaft

Politik und so Zeugs

Frischer Wind statt Journalismus: Ich mach jetzt was mit YouTube

Hier ist die Luft verbraucht, das Atmen fällt mir schwer.
Bye-Bye, ich muss hier raus, die Wände kommen näher.
Die Welt mit Staub bedeckt, doch ich will sehn wo’s hingeht.
Steig auf den Berg aus Dreck, weil oben frischer Wind weht.
(Peter Fox, “Alles neu”)

Hätte man mich noch vor fünf, ach was sag ich, vor zwei Jahren gefragt, ob ich mir PR vorstellen könnte, hätte ich mit einem entschiedenen NEIN geantwortet. Ein Jahr Freiberuflichkeit und eine Familie später sehe ich das nicht nur anders. Ich mache es auch anders und beglückwünsche mich selbst zu meinem neuen Job bei Mediakraft. Dort übernehme ich jetzt genau das, was ich eigentlich nie wollte: die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Journalismus, bitte um die Erlaubnis, von Bord gehen zu dürfen!

Zunächst mal ein paar kurze Worte zu der neuen Stelle. Es ist – glaube ich – einer der coolsten Medienjobs, den man derzeit haben kann. Mediakraft ist das reichweitenstärkste YouTube-Netzwerk Deutschlands, bei dem unter anderem Y-Titty, Ponk, Fresh Torge, LeFLoid und Daaruum dabei sind – neben mehr als 180 weiteren YouTubern, die alle zu den Besten ihres Genres gehören. Das mag dem ein oder anderen jetzt nur wenig sagen. Nun, das zu ändern, wird eine meiner neuen Aufgaben sein. YouTube ist das bestimmende Medium für die Jugendkultur dieser Generation, es wird also einen Riesenspaß machen. Hey, ich bin jetzt bei Viva! (Also dem coolen 90er-Viva mit Stefan Raab und Heike Makatsch und Enie van de Meiklokjes)

Dem Journalismus kehre ich damit also erstmal den Rücken. Ehrlich gesagt: ohne schlechtes Gewissen. Daniel Drepper hat gerade erst geschrieben, es sei “die geilste Zeit Journalist zu werden”. Nun, aus Daniels Perspektive stimmt das. Schließlich ist Daniel auch einer der geilsten Journalisten dieser Zeit. Fußballdoping.de ist ein super Projekt, seine Recherchen zur Medaillenvorgaben des DOSB und des BMI waren ebenso beispielhaft wie bahnbrechend und haben nichts weniger verändert als die Art und Weise, wie in Deutschland über Leistungssport diskutiert wird. Und Daniel ist noch nicht mal 30. Geil!

Es gibt aber auch die ungeile Seite, die gerade zum Beispiel die Redakteure der Westfälischen Rundschau erleben müssen. Oder der FR oder FTD; und es werden weitere folgen, die Journalismus 2013 irgendwie überhaupt nicht geil finden. Ich sage ganz ehrlich: Wer jetzt noch Journalist als Berufsziel angibt, ist entweder unverbesserlicher Idealist (was gut ist!) oder nicht mehr ganz richtig im Kopf. Wir erleben gerade, wie ein Beruf zum Hobby degeneriert. Es wird natürlich eine Elite geben, die dank einer (nicht gut bezahlten) Festanstellung als Redakteur leben kann – eine Familie ernähren ist eine andere Sache. In den Urlaub fahren oder eine Auto bezahlen auch. Ansonsten wird der Journalismus der Zukunft von Studenten betrieben, die von den Eltern finanziert werden und deshalb nicht aufs Geld gucken müssen. Andere werden ihn sich querfinanzieren mit PR oder kellnern oder was weiß ich. Und schließlich wird es welche geben, die einen gut bezahlten Beruf ausüben, aber nebenher immer noch Zeit finden, ein Blog zu betreiben oder mal ein paar schlaue Zeilen für irgendwelche Portale zu dichten. Die letzten Inseln des hauptberuflichen Journalismus werden irgendwann der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk und ein paar wenige überlebende Verlags-Dinos sein. Dahinter, darunter und drumherum: Leidenschaftlich gepflegtes Amateurtum.

Bei mir persönlich kommt dazu: Meine Motivation für diese so genannten alten Medien zu arbeiten, nahm doch recht rapide ab in den letzten Monaten. Wer mag sich noch bei einem Regional-Verlag auf einen höchst wackligen Redakteursstuhl setzen? Wer mag sich noch in den zersetzenden Konkurrenzkampf um einen der wenigen begehrten Arbeitsplätze bei ARD und ZDF stürzen? Und wer hat überhaupt Lust auf privaten Rundfunk? Mein Bauch sagt mir, dass das, was bei Mediakraft passiert, in die Zukunft geht. Und weil ich gerade so wegen der miesen Bezahlung rumgeätzt habe: Reich werde ich bei MK auch nicht. Jedenfalls nicht heute. Aber die Zukunft gehört nicht den RTLs und ARDs und Pro7s. Und den Zeitungsverlagen erst recht nicht. In diesem Sinne:

Erlösmodell? – Mit Journalismus wurde noch nie Geld verdient. Zum Glück

Wer Geld verdienen will, geht in die PR. Wer Journalismus machen will, entscheidet sich für ein Leben in finanzieller Unsicherheit. Auf diese kurze Formel kann man einen langen und sehr lesenswerten Text aus der Zeitschrift “Aus Politik und Zeitgeschichte” der Bundeszentrale für politische Bildung bringen. Er passt zu dem, was ich vor einiger Zeit selbst gebloggt habe. Ich sage mal danke an die Autoren Volker Lilienthal und Thomas Schnedler, dass sie meine Thesen mit weiteren Fakten untermauert haben. Wer die beschriebenen und inzwischen ja auch hinlänglich bekannten Tatsachen zu Ende denkt, kann nur zu einem Schluss kommen: Journalismus ist der falsche Ort für Marktwirtschaft.

Dabei will ich es mal mit den im Netz etwas zu Unrecht gedissten Autoren eines anderen Standardwerks der BpB halten: Wolfgang Schneider und Paul-Josef Raue schreiben in ihrem Klassiker “Das neue Handbuch des Journalismus” immer in einem Kapitel, welche Journalisten sich von ihrem Buch nicht angesprochen fühlen müssen: Es sind die, die sich “lediglich marktgerecht verhalten (…), Verantwortungsgefühl schadet ihm nur.” So will ich es auch halten: Wenn ich hier schreibe, dann immer nur über die, die ihren Beruf deshalb ausüben, weil sie daran glauben, dass dieser für die Gesellschaft und die Demokratie unabdingbar ist. Man nennt diese Leute auch Idealisten (was ja bei manchen Leuten schon ein Schimpfwort ist).

Vor kurzem hatte ich mit einem befreundeten Arzt eine Diskussion über das Gesundheitssystem, insbesondere über die Lage in Krankenhäusern und Praxen. Tatsächlich gibt es dort ein ähnliches Problem. Das Gesundheitssystem ist in den letzten Jahrzehnten ebenfalls immer mehr marktwirtschaftlichen Mechanismen unterworfen worden. Das hat dazu geführt, dass sich ein Arzt besser stellt, wenn er sich darauf spezialisiert, die Nasen von Models zu begradigen, die Gebisse von Schauspielern noch ein wenig makelloser zu machen – oder Spenderorgane nicht nach Bedürftigkeit, sondern nach Geldbeutel zu verteilen. Wer hingegen davon leben will, dass er arme Menschen gesund machen, Kinder optimal vor Krankheiten schützen möchte, oder sich einfach nur Zeit für seine Patienten nehmen möchte, stößt schnell an seine Grenzen. Um mal in der Analogie zu bleiben: Erstere Gruppe würde ich nicht meinen, wenn ich von Ärzten spreche. Vielleicht könnte man sie als medizinische Kosmetiker bezeichnen. Oder als Typen, die mit menschlichem Knetgummi spielen; was auch immer. Genau wie der Journalistenberuf verlangt der Arztberuf einen gewissen Berufsethos.

Gerade in einer Zeit, in der der Kapitalismus als System grundsätzlich in der Krise ist, sollte man also überlegen, ob es sinnvoll ist, alle gesellschaftlichen Bereiche nach dessen Mechanismen zu organisieren, wie es in den letzten Jahrzehnten geschehen ist. Universitäten, Krankenhäuser, Stadtverwaltungen, alles musste auf einmal dem Wettbewerb und dem Leistungsprinzip unterworfen werden. Und das gilt natürlich auch für Journalismus. Doch wenn dessen Erzeugnisse auch als Produkte taugen müssen, kann er nicht funktionieren, es ist geradezu ein Widerspruch in sich. Guter Journalismus lebt ja gerade davon, dass er manchmal nur schwer zu verkaufen ist. Weil er Missstände in der Gesellschaft offenlegt, weil er scheinbar honorigen Menschen nachweist, dass sie in Wahrheit kriminell sind, weil er Dinge öffentlich macht, die manche eigentlich gar nicht wissen wollten. Journalismus ist also nicht immer ein unbedingt attraktives Produkt, gleichzeitig aber sehr teuer zu produzieren. Dennoch ist es nötig, dass Journalismus zu einem vernünftigen Preis angeboten wird. Es ist ja kein System-Fehler, dass eine ordentliche Tageszeitung schon für ein bis zwei Euro zu haben, und damit auch für sozial schwache Menschen zumindest ab und zu erschwinglich ist.

Der Satz “Mit Journalismus lässt sich kein Geld verdienen” sollte in der Diskussion nicht länger als Lamento dienen. Stattdessen sollte man diese Tatsache als eine gesellschaftliche Errungenschaft preisen. Ich bin der Meinung, dass jeder, der mit Journalismus (noch mal: verstanden im obigen Sinne) Geld verdienen will, die falsche Einstellung dazu hat. Ganz ehrlich: Es hat noch nie funktioniert. Guter Journalismus war, ist und bleibt immer ein Zuschussgeschäft. Früher waren es die Anzeigen, die den Zuschuss geliefert haben, doch das wird sich über kurz oder lang wohl erledigt haben. Es sei denn, jemand hat die Knaller-Idee, wie man Google, Apple, Facebook & Co. noch klein kriegt. Der ein oder andere wird es evtl. hinkriegen, sich zum Großteil über den Verkauf (von Abos oder am Kiosk) zu finanzieren, doch die werden weniger werden, zumindest, wenn sie es allein mit journalistischen Inhalten probieren. Vielleicht wird eine Quersubventionierung funktionieren: Verlage verkaufen gleichzeitig Bücher, DVDs und Reisen, um mit dem damit verdienten Geld Redaktionen zu finanzieren. Bin aber skeptisch, ob sich jeder Verlag in ein Versandhaus ummodeln lässt. Dazu kommt erschwerend hinzu, dass man sich dann auch noch Amazon als Gegner aussucht.

Bleibt nur noch das Öffentlich-Rechtliche Modell: Die Menschen zahlen für etwas (nicht immer ganz freiwillig), weil es für die Gesellschaft nötig ist. Und so sehr die Verleger auch gegen die angeblich subventionierte Konkurrenz wettern: Dieser Weg wird schon bald auch für viele Zeitungen der einzige sein. Das Genossenschaftsmodell der Taz macht es vor: Die Leser können und werden den Journalismus finanzieren; wenn dieser Journalismus das auch wert ist. Dann wollen sie aber auch mitreden dürfen. Kluge Verlage suchen schon jetzt den Weg zu Mäzenen und Stiftungen, um so ihren Journalisten zu ermöglichen, ohne Kostendruck und Angst vorm Arbeitsplatz zu arbeiten. Dass daraus eine andere Anspruchshaltung an den Journalismus erwachsen wird, ist klar, aber das ist ja nur wünschenswert. Das soll im Übrigen nicht heißen, dass man mit Journalismus gar kein Geld mehr machen soll. Die Suche nach dem berühmten “Erlösmodell” kann ja gerne weitergehen. Je mehr man mit gutem Journalismus verdienen kann, umso besser. Aber es kann und darf eben nicht das alleinige Ziel sein.

Pflichtlektüre: “Fifa Mafia” entlarvt die kriminellen Strukturen des Weltfußballs

Der internationale Profi-Fußball hat noch zwei Jahre bis zu seiner eigenen Abschaffung als ernsthafte Sportart. Nach der WM 2014 im Land des fünffachen Weltmeisters und Erfinder des schönen Spiels, Brasilien, verabschiedet sich der ohnehin schon völlig überkandidelte Zirkus endgültig in die Kasperletheaterliga. 2016 wird die Euro erstmals mit dem halben europäischen Kontinent als Teilnehmerfeld ausgetragen, und damit zur aufgeblasenen Farce eines Fußballturniers. Danach folgt (nach derzeitigem Stand) eine WM in Russland, der größten Scheindemokratie der Welt, bevor es dann zur Krönung des absurden Tehaters in den Glutofen des Scheich-Staates Katar geht, wo die Stadien in Sichtweite voneinander entfernt stehen werden. Wie es soweit kommen konnte, schildert der SZ-Journalist Thomas Kistner in seinem Buch Fifa-Mafia, in dem er die Ergebnisse aus mehr als 20 Jahren investigativer Recherche im Weltfußball bündelt.

Es ist nicht alles neu, was Kistner da auf gut 400 Seiten ausbreitet. Aber in dieser konzentrierten Form entfachen Kistners Recherchen noch mal eine ganz besondere Wirkung. Kopfschüttelnd arbeitet man sich durch das hochkomplexe Konvolut von Fakten, Seilschaften und juristischen Winkelzügen. Ein Leser, der noch nie von Fußball und Sepp Blatter gehört hätte, müsste denken, er würde hier einen brilliant ausgedachten Krimi lesen. Doch die handelnden Personen sind alle real. Weitestgehend unbehelligt von der Justiz, hofiert von der Politik, alle vier Jahre euphorisch bejubelt von der Sportpresse, hat sich eine kleine Gruppe von Männern ein Geld druckendes Sportimperium aufgebaut, mit dem Cäsaren Sepp Blatter an der Spitze. Als Leser schämt man sich angesichts Kistners Enthüllungen für jeden Euro, den man je für ein Fußballspiel ausgegeben hat.

Nun gut, aber das Spiel läuft doch, Fußball ist halt Fußball, mag der ein oder andere entgegen halten. Soll man sich doch nicht so drüber aufregen, solange auf dem Platz noch Elf gegen Elf spielen und die Fans ihren Spaß haben. Dass diese Sichtweise bestenfalls naiv, wenn nicht gefährlich dumm ist, zeigt sich im letzten Drittel von Kistners Buch, in dem er beschreibt, wie sich die jahrzehntelangen Korruptionsgeschäfte der Fifa-Familie auf bedenkliche Weise zuspitzen. Zu viele Abhängigkeiten sind in den Jahrzehnten entstanden, zu viele neue und mächtige Gestalten drängen ins Fußballgeschäft und wollen dessen globalen Einfluss für ihre Machenschaften nutzen. Was als Spiel von einer handvoll cleverer, aber gewissenloser Funktionärsgestalten begann, ist längst zu einem unkontrollierbaren Wettlauf zahlreicher Interessengruppen geworden. Clans der asiatischen Wettmafia, Oligarchen aus Osteuropa, dubiose Machthaber winziger, aber superreicher Ölstaaten haben alle den Fußball als perfektes Illusionstheater entdeckt, mit dem sich ihre kriminellen Machenschaften wunderbar verschleiern lassen. Geschützt vom Funktionärsstatus der Fifa und der Autonomie des Sports haben sich zahlreiche Figuren, die jedem James-Bond-Bösewicht Ehre machen würden, ein kriminelles Netzwerk im Fußball aufgebaut, das auf der Welt seinesgleichen sucht. Und alle hängen mit drin: Große Namen wie Günther Netzer oder Franz Beckenbauer tauchen in dieser Gemengelage ebenso auf wie der FC Barcelona, Bayern München oder die deutsche Vorzeigefirma Adidas.

Zwar wachen die Ermittlungsbehörden langsam aber sicher auf und setzen ihre Strafverfolger auf die Fifa an. Doch die weiß sich zu wehren. Längst hat sie begonnen, auch die Sicherheitsapparate zu umgarnen und zu unterwandern – und ist dabei, geheimdienstähnliche Strukturen aufzubauen. Mittendrin thront Sepp Blatter: Fast scheint es, als würden ihn jeder weitere Skandal nur noch unantastbarer machen. Eine der mutmaßlich korruptesten Figuren der Sportgeschichte schielt dabei unverfroren auf den Friedensnobelpreis. All das schildert Kistner fakten- und kenntnisreich im lakonischen Tonfall des Journalisten, der inzwischen schon zu viel gesehen und erlebt hat, als dass ihn noch irgendeine Enthüllung aus dem Fifa-Dunstkreis überraschen könnte. Hoffnung, dass der Fußball noch zu retten ist, scheint zwischen seinen Zeilen kaum durch. So wird Kistners Buch auch zu einer traurigen Chronik über den Niedergang eines Sports, der sich von einem Wettkampf ehrbarer Sportsmänner zu einer der zynischsten wie auch erfolgreichsten Industrien der Welt gewandelt hat.

Die einzige Chance scheint wohl eine radikale Erneuerung der Fifa mit einem kompletten Austausch des Personals zu sein. Darauf hoffen kann man nicht. Aber jeder, der dieses Buch kauft, trägt schon mal ein bisschen dazu bei; in dem er dokumentiert, dass ihm kritischer Sportjournalismus etwas wert ist. Und wer weiß: Vielleicht wachen die Fans ja irgendwann selber auf und kehren dem monströsen Spektakel, das sie selbst geschaffen haben, den Rücken zu. Und zumindest eine Hoffnung will ich persönlich aufrecht erhalten: Dass im Jahr 2022 der Anstoß zur Fußball-WM nicht in Katar erfolgt.

Antwort an Julia Friedrichs: Der Journalismus braucht die Revolution von unten

Im Juni 2008 war ich zum ersten und einzigen Mal auf einer Tagung des Netzwerks Recherche. Ich stand kurz davor, mein Volontariat bei der Rhein-Zeitung zu beginnen. Meine journalistische Erfahrung gründete sich bis dato größtenteils auf meine freie Mitarbeit bei der Mainzer Allgemeinen Zeitung während meines Studiums. Ich fuhr damals vor allem aus Neugier nach Hamburg, wollte einfach mal hören und sehen, wie eigentlich echte Journalisten so drauf sind. In einem Podium, in dem ich saß, ging es um das Verhältnis von Journalismus und PR. Zum ersten Mal erfuhr ich hautnah, unter welchen Bedingungen Journalisten wirklich arbeiten. Da berichteten freie Journalisten und Journalistinnen, dass sie mit PR das Geld verdienen würden, mit dem sie ihr “Hobby” Journalismus finanzieren. Andere erzählten von Dumping-Honoraren, die sie letztlich in die gute bezahlte Welt der Agentur-Kommunikation hatten flüchten lassen.

Nur ein paar Plätze neben mir saß eine junge Journalistin, die sich vehement, geradezu mit Verachtung dagegen aussprach, Journalismus und PR zu vermischen. Alle schienen zu wissen, wer die junge Frau war; “Julia Friedrichs muss ich Ihnen nicht weiter vorstellen”, sagte der Moderator der Runde einmal. Später googelte ich erstmal ihren Namen, stellte fest, dass sie einen Bestseller geschrieben hatte, den ich mir dann aus Interesse auch kaufte. “Gestatten, Elite” war tatsächlich ein klasse Buch. Ich kann mich auch deshalb so gut an Julia Friedrichs erinnern, weil ich beim googeln herausfinden sollte, dass sie kaum zwei Jahre älter war als ich. Auch das war eine Premiere an diesem Tag: Zum ersten Mal verspürte ich diesen kleinen Stich in der Magengegend, wenn man jemandem begegnet, der im gleichen Alter ist, aber schon ungleich viel mehr zu erreicht haben scheint. Buch geschrieben, ZEIT-Autorin, hofiert beim Netzwerk Recherche: Auf einmal fühlte ich mich als kleiner Lokaljournalist aus Mainz ganz schön klein. Vier Jahre später sticht es immer seltener. Es ist ungefähr so, wie mit einem Schluckauf, den man als Kind grauenvoll findet, während man heute einfach weiß, dass er wieder weggehen wird und man deshalb gar nicht mehr groß drüber nachdenkt. Es ist einem nur ein bisschen peinlich und man möchte ungern dabei ertappt werden.

Warum erzähle ich das alles? Weil Julia Friedrichs mir zusammen mit dem Netzwerk Recherche jetzt wieder begegnet ist. Auf Vocer wurde die Rede dokumentiert, die sie zu Eröffnung der diesjährigen Jahrestagung gehalten hat. (*pieks*) Es ist eine Rede, mit der sich wahrscheinlich viele aus unserer Journalistengeneration identifizieren können. Und natürlich unterstütze ich Julias Kernaussagen voll und ganz: Es ist ein Problem, dass Aufwand und Ertrag im Journalismus heute nicht mehr im Verhältnis stehen. Es ist ein Problem, dass kaum noch ein Freier von dem Leben kann, was er als Journalist verdient, während die festen Redakteursstellen immer weniger werden. Es ist ein Problem, dass dadurch viele korrumpiert werden und sich vom Journalismus abwenden, dass Journalismus zu einem Hobby von Kindern reicher Eltern wird. Julia fordert uns alle dazu auf, sich nicht von diesen Arbeitsbedingungen unterkriegen zu lassen. Die Ideale, die wir zu Beginn unseres Journalistendaseins mal hatten, nicht zu verraten. Weiter an unsere Tätigkeit zu glauben, die viel mehr ist als ein Beruf und viel mehr als ein Broterwerb, die ein vom Grundgesetz geschütztes Element unserer Demokratie ist. Ich möchte diese Gedanken noch ein wenig weiter ausführen und weiterdenken.

Fangen wir doch gleich mal beim Hauptproblem an: Journalismus ist heutzutage kaum noch jemandem etwas wert. Lesern und Zuschauern nicht, die sich über Jahrzehnte daran gewöhnt haben, dass Medienprodukte umsonst bis sehr günstig sind. Eine Tageszeitung ergäbe ein gedrucktes Buch, das noch dazu an Hunderttausende täglich ausgeliefert wird – und manchmal weniger als einen Euro kostet. Fernsehen ist gefühlt umsonst, und über die Gebühren von Öffentlich-Rechtlichem Rundfunk wird in der Regel geschimpft. Und im Internet… Nun ja.

Aber auch die Produzenten von Medien haben sich daran gewöhnt, dass Journalismus nichts kostet. Bisher haben sie noch für jedes Billighonorar einen gefunden, der bereit ist, dafür zu arbeiten. Warum also mehr zahlen? Sind wir ehrlich: Es gibt zu viele von uns. Und wo das Angebot an Arbeitskräften groß ist, ist der Preis dafür niedrig. Einfache Logik. Daran sind wir mit unserer Berufsethik ein Stück weit selbst schuld, mit unserem blöden Idealismus. Uns ist die Geschichte im Zweifel wichtiger als das Geld. Weil wir an das glauben, was wir tun, akzeptieren wir zu oft die Almosen der Verleger und Sender, die sich mit “Kostendruck” und “Personalaufwand” und “würden ja gerne mehr, aber…” rausreden. Manchmal ist uns unsere eigene Arbeit zu wenig wert. Das ist ein Dilemma, das kaum zu lösen scheint. Aber: Auswege daraus sind möglich. Nur leicht wird es sicher nicht.

Es muss ein Bewusstseinswandel her. Die Gesellschaft muss den Wert und die Wichtigkeit von Journalismus an sich wieder erkennen, vielleicht sogar neu erlernen. Das kann von oben oder unten kommen. Am besten aus beiden Richtungen.
Fangen wir einfach mal oben an: Die Menschen, die Journalismus in Deutschland finanzieren, müssen umdenken. Die Verleger müssen wieder in das Kerngeschäft investieren. Zyniker wie Bernd Buchholz, den Julia in ihrem Text zitiert mit: “Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu verändern ist”, müssen ganz einfach weg, mit ihren Einstellungen stehen sie Qualitätsjournalismus im Weg. Genauso muss sich einer wie ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo fragen, ob er als einer der anerkanntesten Journalisten Deutschlands am richtigen Platz sitzt, wenn er sagt: “Ich wünschte mir, wir hätten die Reserven, unsere Freien besser zu bezahlen.” Wenn ihm der Journalismus seines Blattes etwas bedeutet, würde er dafür kämpfen, dass die ZEIT ihren Mitarbeitern mehr bieten kann, als nur eine Girlande für den Lebenslauf zu sein, der in letzter Konsequenz weg von dem führt, wofür die ZEIT eigentlich steht. Ich hab einfach keinen Bock mehr auf diese Ausreden. Wir alle haben mal als Journalisten angefangen, weil wir Dinge ändern wollten. Diejenigen, die zu den besten und bestbezahlten unserer Berufs gehören, dürfen sich jetzt nicht hinter vermeintlichen Systemzwängen verstecken, sondern sollten mal bei sich selbst anfangen, Dinge zu verändern. Der Spiegel-Reporter Dirk Kurbjubweit hat aus seinem eigenen Vermögen ein 5000-Euro-Reporter-Stipendium aufgelegt. Das ist mal ein Beispiel, dem die di Lorenzos, Jauchs und Illners gerne folgen dürfen.

Ich möchte mal einen Verleger erleben, der eine Preiserhöhung seines Produkts nicht mit gestiegenen Papier- und Transportkosten begründet. Sondern damit, dass man den Journalisten angemessene Honorare zahlen möchte, damit die Qualität des Blattes erhalten bleibt. Könnte es nicht sogar sein, dass die Leute dafür sogar Verständnis hätten? Wenn sie mehr bezahlen müssen, aber sogar eine Gegenleistung, einen Mehrwert bekämen, anstatt einfach das gleiche langweilige Produkt wie vorher, nur teurer? Was spricht dagegen, die Kosten einer jeden Geschichte transparent zu machen, um den Lesern deutlich zu machen, wofür das Geld aus ihrem Abo ausgegeben wird?
Ich sage nicht, dass so ein Bewusstseinswandel leicht ist. Aber ich behaupte, dass es möglich ist. Man darf die Leute halt nur nicht für dumm halten und ihnen Scheiße als Gold verkaufen. Wir Journalisten haben auch eine Bringschuld, um mal mit Jogi Löw zu sprechen. Aber wer die ganze Zeit etwas von Qualität redet, muss sich auch an diesem Anspruch messen lassen. Zum Glück ist es ja sehr einfach geworden, sich von seinen Lesern entsprechendes Feedback zu holen. Zwei Telefonate geführt, Text geschrieben, fertig, der nächste bitte? Das war einmal. Journalistische Arbeit wird zu einem Prozess, ein Thema ist nicht mehr abgeschlossen, wenn der Text gedruckt, die Sendung gelaufen ist. Dann fängt es erst richtig an. Aber nur, wenn die Leute unsere Arbeit besser verstehen lernen, bringen sie auch Verständnis für dessen Wert auf.

Ich habe auch nichts dagegen, wenn Verlage ihren Journalismus querfinanzieren. Von mir aus soll die Süddeutsche so viele Buch- und DVD-Editionen auf den Markt schmeißen, wie sie will. Von mir aus sollen Verlage in Online-Versandhäuser und Dating-Portale investieren, bis nur noch top gekleidete, perfekt zusammenpassende Paare durch Deutschland laufen. Nur soll das Geld, das damit verdient wird, am Ende bitte wieder ins Kerngeschäft fließen. Von mir aus soll Gruner+Jahr mit Anzeigen vollgestopfte Golf- und Autohefte produzieren, bis sie nicht mehr können. Wenn es damit möglich wird, eine große Geo-Reportage zu finanzieren. Werde ich jetzt naiv? Keine Ahnung. Was ich eigentlich sagen will: Es braucht wieder Menschen, die Journalismus finanzieren wollen und ihn nicht als lästigen Personalposten in der Gesamtbilanz sehen. Wenn die Verleger das nicht wollen oder können, müssen es Stiftungen oder Privatpersonen übernehmen. Und natürlich die Öffentlich-Rechtlichen, von denen ich mit der Einfuhr der Zwangsabgabe bitte nie wieder das Kostenargument hören will. Nie wieder. Aber jetzt mal ehrlich: Glaubt jemand ernsthaft daran, dass es eine derartige Revolution von oben geben wird?

Also doch von unten, obwohl das fast noch schwieriger wird. Aber vielleicht ist das Internet ja gar nicht das Problem. Sondern die Lösung. In einem früheren Eintrag habe ich schon über das Crowdfunding-Projekt “Berlinfolgen” berichtet, für die es jetzt übrigens weiter gehen wird. Wenn die alten Modelle nicht mehr funktionieren, müssen eben neue her. Und es wächst ja gerade eine Generation auf, für die es völlig normal ist, dass jeder seine eigenen Inhalte auf eigene Faust produziert, ohne dass ihnen ein Verleger oder Sender die Gnade einer Publikation gewährt. Für die wird es ganz normal sein, dass jemand mit einem eigenen Blog, YouTube-Kanal oder was auch immer über das berichtet, was ihm wichtig ist. Ja, die Vorstellung, erst mal einen Abnehmer für einen Bericht oder einen Film finden zu müssen, der ihn für sie öffentlich macht, dürfte ihnen geradezu absurd vorkommen. Man kann es doch einfach selbst raushauen. Und für diese Generation von Medienmachern ist es auch völlig normal, auf Augenhöhe mit dem Publikum zu diskutieren, es am Produktionsprozess teilhaben zu lassen.

Der nächste, logische Schritt ist nur eine Frage der Zeit: Dass man sein Publikum bittet, einen finanziell zu unterstützen, damit man weiter die Inhalte produzieren kann, die es liebt. Auf Unterhaltungsebene funktioniert das bereits. Ich glaube daran, dass es auch im Journalismus funktionieren kann. Unsere Themen, unsere Geschichten sind uns wichtiger als die Bezahlung? Gut so. Aber dann kann man die Energie, die es braucht, um einen bornierten Verleger davon zu überzeugen, das Thema für einen Hungerlohn zu bringen, gleich sinnvoller einsetzen. Und besser sofort seinem Publikum klar machen, dass die eigene Geschichte es wert ist, dass sie dafür bezahlen. Ob dann am Ende 3000 mal ein Euro kommt oder einmal 3000 Euro, ist doch egal. Auch hier kommt es letztlich darauf an, dass man seine Arbeit gegenüber dem Publikum transparent macht und rechtfertigt. Aber wenn ein Thema wichtig für die Gesellschaft ist, dann wird es genug Leute geben, die bereit sind einen zu unterstützen. Occupy Journalism! Natürlich wird das für einen einzelnen Journalisten oder Kameramann auf Dauer ein Ding der Unmöglichkeit. In einer vernetzten Gesellschaft ist Einzelkämpfertum aber unnötig. Es wird neue Kollaborationen geben, neue Formen der Zusammenarbeit. Und daraus werden sich neue, größere und stärkere Netzwerke entwickeln, die es langfristig mit den alten Mediengesellschaften werden aufnehmen können.

Noch sind wir nicht ganz soweit. Dafür stecken wir noch zu sehr im alten Mediensystem fest, dessen Protagonisten ja derzeit verzweifelt versuchen, es mit allen Mitteln am Leben zu erhalten. Aber es wird so kommen, dass sich immer mehr Journalisten mit Hilfe eines engagierten Publikums von den Produktionsbedingungen des alten Systems losreißen können. Und wenn das passiert, werden vielleicht auch dessen Vertreter merken, dass sie sich für die falsche Seite entschieden haben, als die Revolution begann. Aber dann wird es womöglich zu spät sein, weil ihnen die Leute, die Qualität liefern können von der Fahne gegangen sind. Eine naive Zukunftsvision? Vielleicht. Aber in der momentanen Mediensituation hat man nur die Wahl zwischen Zynismus (=Pessimismus) und Naivität (=Optimisimus). Da entscheide ich mich doch lieber für zweiteres. Für Pessimismus fühle ich mich jedenfalls mit meinen 31 Jahren noch zu jung. Vielleicht haben Julia und ich uns in jemanden verliebt, dem es gerade nicht gut geht. Aber bevor ich mich zu denen geselle, die den Journalismus endgültig zu Grabe tragen wollen, versuche ich lieber, ihm da, wo ich kann, neues Leben einzuhauchen.

P.S. Julia, ich bin übrigens auch nicht mehr eifersüchtig auf dich.

Mein EM-Tagebuch (IV) – Sieben Gründe, die Euro nicht zu gucken (und einer, es doch zu tun)

1. Ukraine
Es ist nicht das Land, auf keinen Fall. Ich würde die Ukraine aus mehreren, auch persönlichen Gründen, einmal sehr gerne bereisen. Ich glaube, dass dort unfassbar nette Menschen leben, die mit Recht Stolz auf ihre Heimat sind. Aber die Ukraine steht auch für ein bestimmtes politisches System. Ein System, das womöglich andere Dinge gebrauchen kann, als ein Fußballturnier und in dem nicht das Volk, sondern Oligarchen herrschen. Und ich habe grundsätzlich ein Problem damit, wenn man diesen Menschen eine Bühne liefert, sich als “lupenreine Demokraten” (frei nach einem Altkanzler) hinzustellen. Noch mehr habe ich ein Problem damit, wenn man diesen Menschen auch noch die Möglichkeit gibt, ihre vollen Taschen noch voller zu machen. Zum Beispiel die von

2. Gregori Surkis und seine Freunde
Der ist ein Oligarch. Ein Machtmensch. Einer, der in Schiedsrichterbestechungen verwickelt war. Der mitten im wichtigsten Entscheidungsgremium der UEFA sitzt. Der die Euro in die Ukraine holte. Einfach nur mal diesen Text lesen und sich seine Gedanken machen. Man könnte jetzt noch eine ganze Clique dubioser ukrainischer Fußballgestalten aufzählen. Man kann aber auch einfach weitermachen mit

3. Michel Platini

Ja, er war mal ein toller Fußballer. Irgendwann mal. Vor meiner Zeit als aktiv beobachtender Fußballfan. Deshalb ist es mir eigentlich auch egal, wie viele Tore er mal bei irgendeiner Euro geschossen hat, als die Fernseher noch Schwarz-Weiß waren und Papa vom Krieg erzählt hat. Vielleicht war er damals ein netter Kerl. Heute ist Platini einer der Top-Funktionäre des Fußballs und allein deshalb schon mal suspekt. Heute kritisiert er Philipp Lahm dafür, dass der sich kritisch über die Lage der Ukraine äußert. Heute will er mal Nachfolger von Joseph Blatter werden und dafür predigt er das große, verlogene Motto des Weltsports:

4. “Sport und Politik
haben nichts miteinander zu tun.” Und vielleicht muss man jemandem wie Platini dankbar sein, wenn er extrem dünnhäutig auf kritische Fragen zur UEFA reagiert. Das ist dann so, wie wenn man im Theater sitzt und während der Aufführung für einen kurzen Augenblick sehen kann, was hinter den Kulissen passiert. So ist es auch im Falle des Sports, dessen Funktionäre immer wieder predigen, dass Sport Sport und nichts außer Sport zu sein habe und sich jede Einmischung verbietet. Trotzdem wird von diesen Leuten mit einer unfassbaren Selbstgerechtigkeit gefordert, dass für Großereignisse egal welcher Art, Gesetze und Vorschriften eines Landes, kurz geltendes Recht, geändert, außer Kraft oder schlicht ignoriert werden. Steuervorteile werden nicht erbeten, sondern selbstverständlich verlangt als Bewerbungsvoraussetzung. Wenn dann aber umgekehrt gefordert wird, dass auch der Sport sich eindeutig positioniert und seine hehren Worte von Werten und Idealen einfach mal ernst nimmt, dann fahren sofort alle Abwehrsysteme hoch. Diese widerwärtige Doppelmoral kann einen eigentlich nur noch ankotzen, oder?

5. Korruption (zum Ersten)
Überrascht es da einen wirklich, dass es schon seit Jahren Korruptionsvorwürfe um die Vergabe der Euro nach Polen und in die Ukraine gibt? Und dass die UEFA sich viel Mühe gibt, diese nicht aufzuklären?

6. Korruption (zum Zweiten)
Aber vielleicht ist die Vergabe eines Fußballturniers in die Ukraine dann auch nur folgerichtig? Schließlich gehört es dort zum Alltag, dass Schmiergelder für Bauaufträge von überteuerten Fußballstadien gezahlt werden. Mit denen dann hinterher wieder keiner was anfangen kann. Aber, hey, was rege ich mich hier eigentlich so künstlich auf?

7. Es geht doch nur um Fußball

Ja, so seht Ihr das. Fußball ist toll und wichtig is’ auf’m Platz. Und Ihr habt ja recht. Ich gucke gerne Fußball und ich gucke viel Fußball. Und deshalb regt es mich umso mehr auf, wenn dieses simple, geniale, schöne Spiel benutzt wird. Für schäbige Inszenierungen. Als Schauplatz krimineller Machenschaften. Als Werbeplattform für Fast-Food-Ketten, Softdrinks, Alkohol und Glücksspiel. Ich will Spaß am Fußball haben. Kann ich aber nicht. Ihr steht draußen auf den Fanmeilen vor Leinwänden, sitzt in gesponsorten Party-EM-Lounges irgendwelcher Getränkehersteller, zieht schwarz-rot-goldene Trikotkopien von Chips- oder Deofabrikanten über, kippt Dosenbier und Jäger-M in Euch hinein, beschmiert Eure Gesichter mit fettigen, dreifarbigen Schmiergriffeln, grölt “Schland, oh, Schland” und findet Euch dabei witzig, dumpflabert was von “Ronaldo durch die Wand hauen” und “Holländer platt machen” als wäre es das Wichtigste auf der Welt und spielt so das schmutzige Spiel mit, das Fußball geworden ist und vielleicht schon immer war. Euch ist das alles egal und ihr wollt es auch gar nicht wissen. Hauptsache, “wir holen den Pott nach Hause”, ne?

Aber ich bin ja nicht besser als Ihr. Natürlich wird zu Hause jetzt schwarz-rot-gold dekoriert. Natürlich will ich so viele Spiele wie möglich sehen, am besten alle. Sogar Griechenland gegen Polen. Natürlich werde ich über den Couchtisch springen, wenn Poldi trifft und in selbigen reinbeißen, wenn Schweini den entscheidenden Elfer gegen Spanien verschießt. Ich kann nicht anders. Weil

1. Fußball einfach Fußball ist.

Christian Wulff: Der Finger im Hals der Nation

OK, es wird jetzt ein bisschen widerlich. Aber wir leben halt in widerlichen Zeiten, da geht es manchmal nicht anders. Vor wenigen Wochen, es war noch besinnliche Vorweihnachtszeit im Hause Wulff und niemand machte sich Gedanken um Kredite und Kai Dieckmann, war ich mit ein paar Kumpels auf Glühweintour über diverse Kölner Weihnachtsmärkte. Es war lustig, es wurde entsprechend viel Glühwein getrunken, der nächste Tag war die Hölle. Ich glaube inzwischen, dass ich ein Alkohol-Orakel bin, dass die Lage der Nation am eigenen Leib erfahren musste.

In den Jahren nach 1998 hat Deutschland ja auch eine fette Party gefeiert: Die “Kohl-ist-weg”-Feier. Die war super und hat Spaß gemacht, auch wenn man die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass das, was die Gastgeber auf ihrer Einladung versprochen hatten, nicht ganz das war, was sich dann auf der Party abspielte. Egal, es wurde erstmal gesoffen. Doch spätestens 2005 war der Point-of-no-return überschritten.

Nach der Glühweintour ging es mir zunächst überraschend gut. Ich wurde früh geweckt, so gegen halb acht, und fühlte mich sogar noch fit genug, noch schnell Brötchen holen zu gehen. Doch langsam stärker werdende Kopfschmerzen sollten nur die Vorboten von schlimmerem Übel werden. Auch die Große Koalition fühlte sich anfangs ja gar nicht so schlimm an. Es ging sogar irgendwie voran, hatte man das Gefühl. Was aber stimmte nicht? Vielleicht, dass der Staat damit begann, immer mehr Bürgerrechte auf Vorrat auszuhebeln? Dass er deutsche Staatsbürger in Foltergefängnissen verkrepeln ließ? Die Kopfschmerzen waren da, aber wenn der Kater einmal begonnen hat, ist er nicht mehr aufzuhalten.

Ich schmiss mir an jenem furchtbaren Adventsmorgen um neun die erste von drei Kopfschmerztabletten. Inzwischen hatte auch eine kaum zu unterdrückende Übelkeit von mir Besitz ergriffen. Der Zustand morgendlicher Euphorie war längst verflogen: Ich ahnte, dass dies eines der schlimmsten post-alkoholischen Traumata seit langem werden könnte. Ich sollte recht behalten.

Ich weiß nicht, wer dachte, Deutschland könnte eine schwarz-gelbe Kopfschmerztablette gebrauchen. Aber vielleicht sollte es ja auch eher ein Konterbier sein für eine von einer selbstgerechten Kanzlerin besoffenen Nation. Aber mit Schwarz-Gelb hatte sich Deutschland endgültig ins Delirium befördert. Man weiß ja gar nicht, ob man bei einem verlogenen Schaumschläger anfangen soll, der sich einen erschreckend langen Zeitraum als Politiker inszenieren durfte. Oder bei dem Bratbären von Außenminister, der sogar Vizekanzler sein durfte, bis er von einem bräsigen Milchbart abgelöst wurde. Ich hätte arge Probleme, alle Minister dieser schlechtesten Regierung, die ich je erlebt habe, aufzuzählen. Ältere müssen sagen, ob es die schlimmste aller Zeiten ist, aber ich würde wetten, dass sie gute Chancen hätten. Und nun dieser Bundespräsident, der letztlich auch nur eine weitere Handpuppe der Kanzlerin ist, die das Kanzleramt zu einer uneinnehmbaren Wagenburg gemacht hat, in der sie sich solange verkriechen will, bis alles ausgestanden ist. Aber das wird nicht funktionieren.

Ich weiß das, weil ich es auch versucht habe. Ich habe mich ins Bett verkrochen, die Rolladen runtergelassen und versucht, den Kater auszuliegen. Einfach einschlafen und wenn man wach ist, hat man sich fit geschlafen und weiter geht’s. Das funktioniert manchmal, aber nicht dieses mal. Das zweite Aspirin hatte sowenig geholfen wie das erste, die Kopfschmerzen waren sogar noch schlimmer geworden. Und immer wieder unterdrückte ich diesen latenten Würgereiz, der doch nur ein Hilferuf meines Körpers war: “Junge, lass einfach alles raus. Es gibt eine einfache Lösung für deine Probleme und ich biete sie dir an.” Und irgendwann gab ich diesem Drängen nach. Ich schleppte mich mit letzter Kraft ins Badezimmer, wo ich die Toilette umklammerte wie ein Ertrinkender einen Rettungsring auf hoher See. Und dann erbrach ich mich, ein säuerlicher Schwall aus Glühwein, Bier und den Resten von weihnachtsmarkttypischer Ernährung erlöste mich von den schlimmsten Qualen.

Habe ich nicht gesagt, dass es widerlich wird? Nun, wir leben in widerlichen Zeiten. An Christian Wulff zeigt sich, was dieses Land in den letzten Jahren in sich reingeschüttet hat, ohne an die Konsequenzen zu denken: Politiker, die sich ihre Karrieren mit Hilfe von Medien, Gönnern und Mäzenen an den Menschen vorbei aufbauen. Wulff ist ja nicht der einzige, der es so zu was gebracht hat. Er ist vielleicht nur der erste aus dieser Politikergeneration, der fällt. Wulff steht für Politiker, die nicht mehr wegen ihrer Fähigkeiten, sondern wegen ihrer Verbindungen, wegen irgendwelcher Proporze ins Amt kommen. Er steht für alle Guttenbergs, Schröders, Gabriels, Röslers und dessen kleine Freunde, deren Namen ich nicht mal weiß, die irgendwie die Karriereleiter hochgespült werden, die immer davon faseln, sich alles erarbeitet zu haben, aber letztlich doch alles immer nur fein ausgebreitet bekommen haben.

Nun ist diesem Land schlecht davon und man kann nur hoffen, dass es die Kraft findet, diesen ganzen schwarz-gelben Dreck in seinem Magen endlich auszukotzen. Christian Wulff ist der Finger, den es sich dafür nur noch in den Hals stecken muss. Einfach abkotzen, den ganzen stinkenden Brei die Toilette runterspülen und langsam aber sicher wieder zu Kräften kommen. Das ist das einzige, was bei einem Mega-Kater hilft. Aber hier endet das Alkohol-Orakel. Mir ging es Stunden nach meinem Tango mit der Kloschüssel besser. Ob das auch für Deutschland zutrifft, daran habe ich trotz allem meine Zweifel…

Andi und die Links-Extremisten – Ein Comic, der ins Bild von Kristina Schröder passt

Ich fand Kristina Schröder mal sympathisch. Fand. Inzwischen finde ich sie mindestens ärgerlich. Und ihr Auftritt in der derzeitigen Diskussion um Rechtsextremismus ist schlicht peinlich. Da passt ein kleines Detail, das ich zufällig entdeckt habe, ins Bild.

Ich kann sogar sagen, wann ich Respekt für unsere Familienministerin hatte: Pfingsten 2006. Da hieß sie noch Koehler, war einfach nur eine junge Bundestagsabgeordnete aus Wiesbaden und ihr Schwerpunktthema war Innere Sicherheit. In dieser Rolle kam sie zum großartigen Open Ohr-Festival nach Mainz und nahm an einer Podiumsdiskussion zum Thema Vorratsdatenspeicherung teil. Ich war mit Koehler nicht einer Meinung, aber ich mochte es, dass sie sich der Diskussion in einem Umfeld stellte, dass ihr höflich gesagt, nicht eben wohlgesonnen war. Das Open Ohr ist traditionell links, Kristina Schröder ist das nicht. Aber sie glaubte an ihre Überzeugung und verteidigte sie, ich fand das gut. War es auch der Eindruck von mehr oder weniger verkaterten, seit drei Tagen ungewaschenen, mitunter pöbelnden Festivalbesuchern, der Kristina Schröders Bild vom gefährlichen Linksextremisten geprägt hat?

Zufällig bin ich diese Woche auf einen Lehr-Comic vom Landesinnenministerium NRW zum Thema Rechtsextremismus gestoßen. Andi heißt der und es geht um einen Schüler – Andi – der mit roter Kappe auf blonden Haaren erlebt, wie sich eine Gruppe junger Rechter an seiner Schule breit macht. Zum Glück hat Andi ein paar coole Freunde und gemeinsam zeigen sie den Glatzen mal, wo es lang geht, ganz friedlich natürlich. In zwei Fortsetzungen erlebt Andi noch weitere Abenteuer. Erst muss er sich Islamisten entgegenstellen, dann bedrohen, man ahnt es schon, auch noch böse Linksextremisten den Schulfrieden. Es geht also ganz schön ab in Andis Welt. Ich weiß zwar nicht, warum immer noch das Feindbild vom für die Demokratie gefährlichen Linken überhaupt aufrecht erhalten werden muss, aber egal.

Diese Comics schienen jedenfalls ganz gut anzukommen und wurden eifrig nachgedruckt. Auch beim Bundesfamilienministerium nahm man Andis Abenteuer ins Programm. Zumindest eines: Denn bestellen kann man über Schröders Haus nur die Geschichte, in der Andi und seine Freunde bei einer Demo von linken Steineschmeißern in Gefahr geraten. Die beiden anderen, insbesondere die, in der es um rechte Gefahr geht, finde ich jedenfalls nicht in der offiziellen Publikationsliste. Vielleicht hat das ja alles nix zu bedeuten, vielleicht gab es die anderen ja mal und sind jetzt ausgegangen. Aber auch beim Innenministerium von NRW steht nur beim dritten Band, dass dieser “vom Bundesfamilienministerium in hoher Auflage nachgedruckt” wurde. Das ist jetzt nur ein Detail, aber es ist leider eins, das ins Bild passt. Der Eindruck, dass Kristina Schröder dem Linksextremismus eine höhere Bedeutung beimisst als dem Rechtsextremismus, wird dadurch jedenfalls nicht kleiner.

Ich habe Kristina Schröder über Twitter gefragt, warum das so ist, bislang kam noch keine Antwort. Bin mal gespannt.

Eigentor: Ausschluss der Presse bringt Sportausschuss in die Schlagzeilen

Tja, so kann man auch Aufmerksamkeit bekommen: Der Sportausschuss des Bundestages, sonst eher selten Objekt intensiver Berichterstattung, landete auf einmal prominent in den Schlagzeilen. Der seit 2005 öffentlich tagende Ausschuss hat sich mit den Stimmen von CDU/CSU/FDP wieder hinter verschlossenen Türen verschanzt; und sich damit ein sattes Eigentor geschossen. PR-technisch kann man die Aktion von Klaus Riegert (CDU) jedenfalls als Voll-Flop verbuchen. Eigentlich war ja ihr Ziel, die Berichterstatter loszuwerden, mit diesem vermeintlichen Coup haben die Sportpolitiker nun den Fokus erst recht auf sich gelenkt. Das Presseecho war jedenfalls beachtlich.

Wenn man einschlägige Blogs wie den von Jens Weinreich verfolgt, muss man ohnehin den Eindruck haben, dass der Sportausschuss des Bundestages nicht unbedingt ein brummender Stock fleißiger Bienen ist. Eher scheinen hier Kulissenschieber am Werk zu sein, die sich eifrig darum bemühen, den Eindruck der schönen, heilen Sportwelt aufrechtzuerhalten. Man muss aber auch sagen: Trotz des eifrigen Bloggens etwa eines Jens Weinreich oder Daniel Drepper, so richtig Notiz hat die Öffentlichkeit von diesem Ausschuss bisher nicht genommen. Das dürfte nun anders sein.

Abenteuerlich ist die Begründung für den Ausschluss der Öffentlichkeit: Man wolle wieder effektiv arbeiten. Häh? Das heißt, solange Journalisten im Ausschuss dabei sitzen, können die Politiker nicht arbeiten? Ich hatte jetzt nicht den Eindruck, als würden die Berichterstatter dort Polka tanzen, während sich die Sportpolitiker verzweifelt darum bemühen, den Kampf gegen Doping angemessen zu unterstützen. Ehrlich gesagt stelle ich eher die Qualifikation eines Politikers in Frage, wenn er nicht in der Lage ist, unter Beobachtung der Öffentlichkeit seine Position angemessen zu vertreten. Sollte das nicht eine seiner wichtigsten Eigenschaften sein? Klaus Riegert hat erklärt, es sei ein Privileg der Presse gewesen, bei dem Ausschuss dabei sein zu dürfen. Falsch! Es war ein Privileg, dass sich immer wieder Journalisten in die Sitzungen verirrt haben, um direkt bei der Ausübung von Demokratie dabei zu sein und den Bürgern davon zu berichten. Darüber müsste sich eigentlich jeder Politiker freuen!

Nun, wenn sich die Hoffnung von Jens Weinreich erfüllt, wird die Aktion von Riegert und Co. zum Bumerang werden. Eine Tür haben die Sportpolitiker vielleicht zugeschlagen. Aber wenn es gut läuft, werden bald die Wände um sie herum eingerissen.

Breaking Ehec-News: Es könnte am Essen liegen

Im Falle des Darm-Erregers EHEC haben Wissenschaftler jetzt eine neue Spur: Es könnte am Essen liegen. “Nachdem wir hundert sinnfreie Warnmeldungen rausgegeben haben, wollen wir jetzt auf Nummer sicher gehen”, erklärt Prof. Dr. Blubber Labberkopp vom Popo-Institut in Darmstadt. “Wir können die Bevölkerung nur davor warnen, feste Nahrung zu sich zu nehmen.” Gurken, Tomaten, Sprossen, Spanferkel, wir ziehen alle denkbaren Optionen in Betracht” Wer jetzt noch isst, isst selber schuld, lautet die Devise. Die Forscher betonten, dass es ohnehin schon seit Jahren Warnungen vor Essen gegeben habe. “Man weiß ja nie, und wir erst recht nicht”, sagte Labberkopp. Die Gefahren des Konsums von Lebensmitteln sind seit Jahren unterschätzt worden. Insofern habe es auch sein Gutes, dass die Bevölkerung jetzt wachgerüttelt wird. Ob der Ehec-Erreger tatsächlich im Essen gefunden wid, ist zum jetzigen Zeitpunkt dennoch völlig unklar. “Vielleicht ist er auch in der Luft, wir haben doch auch keine Ahnung” räumte Labberkopp, der eigentlich Geschichtslehrer und Hobby-Ägyptologe ist, ein. “Ich weiß ja nicht mal, warum ich an einem Institut für Gesundheitsrisiken arbeite.” Er kündigte aber sicherheitshalber schon einmal an, dass die maximale Eskalationsstufe noch nicht erreicht ist. “Die Bevölkerung muss sich darauf einstellen, womöglich wochenlang nicht atmen zu dürfen.”

Barack Obama im War Room: 24 wird Wirklichkeit

Am heutigen Mittwoch (und damit wie immer etwas verspätet) staunte die deutsche Presse, wie Barack Obama den Einsatz gegen Osama bin Laden live aus dem War Room des Weißen Hauses verfolgte. In seltener Einmütigkeit (oder Eintönigkeit) titelten die großen Zeitungen BILD, Welt, SZ, FAZ mit Obama, wie er den Einsatz seiner Elite-Truppe verfolgte; fast alle sogar mit dem gleichen, von den PR-Strategen des Weißen Hauses raus gegebenen Bildes. Auch viele Regionalblätter zeigten, wie der US-Präsident den Einsatz verfolgte, in Strickjacke und Poloshirt, als würde er das Finale des Super-Bowl gucken. Fehlte nur noch das Popcorn. Dass der US-Präsident am Verlauf der von ihm genehmigten Mission, die zum größten Triumph seiner Amtszeit werden soll, Interesse zeigt, finden die hiesigen Medien offenbar höchst faszinierend. Mich hingegen überraschen die Bilder kaum. Ich habe sie sogar schon gesehen. Das Geschehen im War Room wurde den Fernsehzuschauern nämlich schon lange vorher in der Echtzeit-Agentenserie 24 präsentiert. Einmal mehr zeigt sich, dass keine Serie und kein Kinofilm den Kampf gegen den Terror so genau abgebildet hat, wie die acht Staffeln um den Superagenten Jack Bauer.

Mit Ausnahme der ersten Staffel, in der es um den schwarzen Präsidentschaftskandidaten David Palmer geht, spielt die Person des US-Präsidenten in allen Staffeln eine große Rolle. Die Zuschauer sind mitten drin, wenn der mächtigste Mann der Welt entscheiden muss, ob ein Zeuge gefoltert wird, um an seine Informationen zu kommen, ob Zivilisten geopfert werden, um eine größere Katastrophe abzuwenden oder ob man zum (atomaren) Gegenschlag gegen einen vermeintlichen Terror-Staat ausholt. Und wenn Jack Bauer ins Feld zieht, um seine aberwitzigen Missionen zu erfüllen, ist Mr. oder Madame Präsident selbstverständlich am Monitor mit dabei und verfolgt live, wie den Feinden der USA von Bauer das Fell über die Ohren gezogen wird.
Die Serie ist nicht nur wegen ihrer Erzählweise sehenswert. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie Realität und Fiktion im Fall von 24 korrespondieren. Ob es um eine schwarzen US-Präsidenten geht, den Einsatz von Folter im Kampf gegen Terror, der Durchsetzung von härteren Anti-Terrorgesetzen, die vor allem gegen Muslime gehen: 24 hat viele reale Entwicklungen vorweg genommen. Das ging sogar soweit, dass sich US-Soldaten im Irak bei ihren Verhören angeblich auf die Serie als Vorbild beriefen, die Fiktion über den Kampf gegen Terror also auf die Realität zurück wirkte. Es wurde sogar spekuliert, dass das Auftauchen eines schwarzen US-Präsidenten in einer derart erfolgreichen Serie Obamas Erfolg mitbegünstigt hat.
Nun also sehen wir diesen schwarzen Präsidenten im War Room und sicherlich werden alle 24-Fans dabei an David Palmer gedacht haben, der die 24-USA über zwei Staffeln regierte und einer der beliebtesten Charaktere der Serie ist. Und es würde nicht überraschen, wenn auf der anderen Seite des Bildschirms ein realer Jack Bauer agierte, unaufhaltsam sich zu Osama bin Laden vorkämpfend. Dann plötzlich ein kurzer Bildausfall. Minuten vergehen wie Stunden, dann ist das Bild wieder da. Blechern klingt durch die Lautsprecher im Office die Stimme des Super-Agenten. “Bin Laden’s dead, Mr. President. He had a gun, I had no choice”, sagt sie im wohlvertrauten Soldaten-Duktus, dann wendet der Mann sich ab. Was wirklich passierte, wird nie jemand erfahren, aber wir 24-Seher haben so eine Ahnung. Aber was hat eine Fernsehserie schon mit der Realität zu tun…