100.000 Euro Strafe muss der dänische Stürmer Nicklas Bendtner für das teilweise Entblößen seiner unteren Köperregionen während eines offiziellen Fußballspiels zahlen. Das hat die UEFA entschieden und damit endlich ein klares Zeichen gesetzt. Denn was wie ein Einzelfall aussieht, entwickelt sich zu einem Besorgnis erregenden Trend: Anstatt das Trikot auszuziehen, wofür es bekanntlich Gelb gibt, verleihen immer mehr Fußballer ihrer Erregung über einen soeben erzielten Treffer Ausdruck, indem sie sich teilweise oder sogar ganz ihrer Sporthose entledigen.
Der clevere DäneBendtner ist nicht der Erste, der dieses Schlüpferloch im Regelwerk auszunutzen versteht. Die Fußball- und Trendikone des 21. Jahrhunderts, Christiano Ronaldo, aka CR7, machte zuletzt den Jubel mit quasi geöffnetem Hosenstall salonfähig. Gleich mehrfach entblößte der schöne Christian in der vergangenen Saison nach Fernschuss-Toren seinen erigierten Oberschenkel.
Damals hatten die Sittenwächter des Fußballs es noch versäumt, den unschicklichen Jubel zu sanktionieren; vielleicht, weil der teuerste Fußballer der Welt pikante Sonderrechte genießt?
Womöglich haben die Fußballmächtigen auch erst jetzt die wahren Ausmaße des inflationären Hosenverfalls begriffen. Nicht zuletzt müssen sie sich auch vorwerfen lassen, für den Trend zum Blankziehen mitverantwortlich zu sein. Die Rede ist natürlich vom fußballspielenden Löwen Goleo, der seinerzeit bei der WM 2006 sein freizügiges Unwesen trieb. Überhaupt muss die Weltturnier in Deutschland als Beginn der Bewegung des hosenlosen Spiels gelten. Der erste Nachahmer Goleos sollte schon im Finale in Person Gennaro Gattusos auftreten. Der frischgebackene Weltmeister lief im Überschwang der Freude zwar mit bedecktem Oberkörper, aber untenrum nur mit einer wenig vorteilhaften, schlabbrigen Baumwollbuchse aus dem Zehnerpack bekleidet durch das Berliner Olympiastadion. Ein denkbar peinlicher Auftritt, über den Italien heute schamhaft schweigt.
Doch inzwischen muss man befürchten, dass die Zahl der Nachahmer größer wird, der unziemliche Goleo-Look auf einmal gesellschaftsfähig wird. Schon sieht man die ersten Kinder auf unseren Bolzplätzen freudig ihre Unterhosen präsentieren, wenn ihnen ein Tor gelingt. Es muss nicht weiter ausgeführt werden, wohin diese Debatte noch führen könnte.
Umso wichtiger, dass die UEFA jetzt endlich reagiert.
Schon Ernst Kuzorra wusste um den Vorteil langer Sporthosen, die man früher allein aus praktischen Erwägungen trug. Unvergessen die gewitzte Antwort des Schalker Originals auf die Frage, warum die langen Beinkleider vorteilhaft waren: “Weil wir so lange Dödel hatten”. Damals gab man eben noch was auf sittliches Auftreten. Heute jedoch scheinen die Spieler jeden Respekt vor dem Zuschauer verloren zu haben. Wenn man jetzt einem Spieler wie Bendtner gegenüber nachsichtig ist, fallen bald auch die letzten Hüllen des guten Anstands und wir sehen Dinge auf dem Fußballplatz, die besser da geblieben wären, wo sie hingehören. Man muss die Spieler hier auch vor sich selbst schützen. Bendtner hatte noch Glück im Unglück, dass ein ungewöhnlich breiter Hosenbund den Blick auf sein Danish Dynamite verstellte. Schließlich ist der Junge erst 24, und wir wissen ja, was in Zeiten los wie diesen los ist, wenn ein peinliches Foto einmal auf Facebook gelandet ist. Dann lieber 100.000 Euro gezahlt und die Lektion gelernt.
Dass hohe Geldstrafen etwas bringen, zeigt im Übrigen das Beispiel Robbie Fowler. Der Stürmer des FC Liverpool “schnupfte” einst nach einem Tor die Torlinie weg wie eine Line Koks. Ein geschmackloser, den Drogenkonsum verherrlichender Scherz, der den Kicker zurecht 60.000 Pfund Strafe kostete. Das Ergebnis: Drogen spielen heute im Fußball keine Rolle mehr, stattdessen werben brave Fußballer für Brotaufstrich und Dosenpfand. Man sieht: So manch exzessiver Torjubel hat schon einen Umdenkprozess eingeleitet. Jetzt muss nur noch ein weißer Fußballer zu heftig jubeln, während sein schwarzer Gegenspieler traurig daneben steht. Dann wird die UEFA sicher reagieren und zu euphorischen Torjubel in Gegenwart andersfarbiger Mitspieler streng sanktionieren.