Tim und Struppi – Indiana Jones mit Tolle

Wie in vielen Städten gab es auch in meiner Heimat einen Bücherbus der Stadtbücherei, in Herne trug er den schönen Namen “Schmökermolly”. Sein Halt bei uns direkt um die Ecke war für mich ein fester Termin in der Woche. Als erstes durchwühlte ich in der Schmökermolly immer die Kiste mit den Comics. Und mindestens ein Band von Tim und Struppi lag am Ende immer auf dem Stapel. Ich habe mich auf den Spielberg-Film darum einerseits sehr gefreut, andererseits war ich skeptisch, als ich hörte, dass es ein komplett am Computer erstellter, motion-gecaptureter Film werden würde. Könnte man so den Charme so liebenswerter Figuren wie Schultze & Schulze, Kaptain Haddock und natürlich Tim und Struppi selbst rüber bringen?

Man kann. Es ist bemerkenswert, dass hinter den Computergesichtern inzwischen so etwas wie eine schauspielerische Leistung zu erkennen ist. Aber tatsächlich ist es gelungen, Tim zu einem verschmitzten Reporter zu machen, Kaptain Haddock zu einem triefäugigen, traurigen Seebären und Saccharin zu einem verschlagenen Bösewicht. Die Figuren sind, man muss es so sagen, sehr liebenswert und detailreich gestaltet.

Umso simpler ist die Geschichte um ein sagenumwobenes Schiffsmodell der Haddock-Familie, das den Weg zu einem alten Schatz weisen soll. Entschlüssele das Rätsel, finde den Schatz, sei schneller als die Bösen. Das ist ein uraltes Spielberg-Rezept, das drei Indiana Jones-Filme zu Welterfolgen machte. Mit Tim und Struppi kehrt der Regie-Altmeister nur zu deutlich zu seinen Wurzeln zurück. Unentwegt fühlt man sich an die Wüstenlandschaften aus “Die Jäger des verlorenen Schatzes” erinnert, an die irrwitzigen Verfolgungsjagden aus “Der Tempel des Todes”, und mit dem draufgängerischen Tim und dem tollpatschigen, aber verlässlichen Haddock serviert uns Spielberg die legitimen Nachfolger von Henry Jones Jr. und seinem Vater aus “Der letzte Kreuzzug”. Genauso temporeich wie einst die archöologischen Hetzjagden um die Welt ist auch das Abenteuer von Tim, Struppi und Haddock. Ein wenig geht Spielberg dabei sein sonst so sicheres Gespür für Timing verloren: Eine wahnwitzige Verfolgungsjagd folgt auf die nächste, so dass man als Zuschauer irgendwann gar nicht mehr weiß, an welcher Stelle im Film man sich befindet. Atempausen gibt es keine. Das Ende des Films kommt dann so plötzlich, als säße man in einer Achterbahn, die aus voller Fahrt auf Null abgebremst wird, während man selber noch auf den nächsten Looping wartete.

Mit seiner Verfilmung ist es Steven Spielberg gelungen, die drolligen Charaktere aus den Comic-Heften ins Jetzt rüberzuholen. Tim und Struppi ist überdrehte Action mit vielen spaßigen Momenten und der erste Film, der CGI und Schauspielerei vereint.

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