Troll Hunter
Bei großen Staatsverschwörungen denkt man meistens eher an die USA, Russland oder irgendwas mit Volksrepublik im Namen. Doch auch ein beschauliches, skandinavisches Idyll wie Norwegen hat seinen Geheimnisse. Tief in den norwegischen Bergen hausen nämlich wilde Trolle: Große, gefährliche Raubtiere, irgendwo zwischen Bär und King Kong angesiedelt. Zum Glück gibt es in Norwegen reichlich Platz, die Viecher vor der Bevölkerung zu verstecken. Und wenn sich doch mal einer aus dem Reservat wagt, gibt es ja noch ihn: Den Trolljäger, der sich furchtlos mit den stinkenden Biestern anlegt.
Es ist ein absurd-komischer Film, der aus Norwegen zum Liebling vieler Filmfeste wurde. Und er wird noch absurder dadurch, dass Regisseur André Ovredal beschloss, zum Stilmittel der “Mockumentary” oder “Fake-Doku” zu greifen. Seit dem Blair-Witch-Projekt kommen diese gruseligen Schein-Dokus immer mal wieder ins Kino und eigentlich hat man auch schon seit der Hexenjagd durch Herbstwälder genug davon. Bei Trolljäger funktioniert das Ganze trotzdem ganz gut. Die pseudo-wissenschaftlichen Erklärungen zur Lebensweise der Trolle geben dem Film eine nette Ironie, gekreuzt werden sie mit fantastischen Landschaftsaufnahmen, und außerdem gibt Ovredal dem Zuschauer auch das, was er sehen will: Trolle in allen Größen und Formen. Die sind ansehnlich getrickst, wenn auch nicht wirklich gruselig. Wer von Fake-Dokus nicht per se abgeschreckt wird und genug schwarzen Humor mitbringt, um sich auf das Troll-Szenario einzulassen, wird von Troll Hunter passabel unterhalten.
Submarine
Ahh, British Comedy, was wären wir nur ohne dich. Während man in den USA anscheinend nur über Fürze und andere Ausscheidungen lachen kann, dominiert in deutschen Kinos auch 17 Jahre nach “Der bewegte Mann” noch der verkrampfte Mann-Frau-Beziehungshumor. Nur auf der Insel, so scheint es, kann man einfach noch über das Lachen, worüber es sich am meisten zu lachen lohnt: Über das Scheiß-Leben, das einem so passiert.
Der 15-jährige Oliver macht halt so das, was man als 15-Jähriger, unterdurchschnittlich attraktiver und nur halbcooler Teenager so macht: Sich das erste Mal verlieben, sich für intellektueller halten, als man ist und zwischendurch die Ehe der Eltern retten. Das Wichtigste dabei: Bloß nicht zu sehr auffallen, immer schön unter dem Radar bleiben. Wenn das nur so einfach wäre.
Es gibt genug Filme übers Erwachsenwerden, so viele, dass man meint, es bräuchte keinen weiteren. Und dann ist man doch froh, dass Richard Ayoade dieses kleine Meisterwerk gedreht hat. Es ist die große, kleine Geschichte vom zum-Mann-werden, während die Erwachsenen um einen herum sich anscheinend wieder wie Teenager aufführen, die Ayoade erzählt und die jeder von uns selbst erlebt hat. Und obwohl Ehekrisen, Depressionen und Krebs eigentlich nicht witzig sind, muss man immer wieder lachen, weil es anders einfach nicht ginge. Submarine ist genau der richtige Film, wenn man mal wieder die Schnauze voll von allem hat. Danach weiß man, das man zumindest nicht alleine mit der Scheiße ist.
Contagion
Nichts jagt einem mehr Schauer über den Rücken, als wenn etwas Alltägliches plötzlich zur tödlichen Bedrohung wird. Nach Contagion jedenfalls wird man eine zeitlang bei jedem Husten, bei jedem Keuchen eines anderen Menschen unwillkürlich zusammenzucken.
Bei all den Finanz- und Euro- und Wirtschaftskrisen haben wir ja schon fast wieder vergessen, dass wir vor gar nicht allzulanger Zeit noch wegen etwas anderem hyperventilierten: Das H1N1-Schweinegrippen-Virus hielt uns vor zwei Jahren buchstäblich in Atem. Panisch wurde Impfstoff herausgegeben, vor einer globalen Epidemie gewarnt, und ja das Händewaschen nicht vergessen. Als der Angstschweiß verflossen war, musste man feststellen: Alles noch mal gut gegangen, war alles halb so schlimm. Auf dem millionenschweren Impfstoff allerdings bleiben wir sitzen.
Steven Soderbergh hat die Entwicklungen von damals jetzt mit einem All-Star-Cast verfilmt, allerdings unter veränderten Vorzeichen: Gwyneth Palttrow, Matt Damon, Laurence Fishburne, Kate Winslet, Marion Cotillard, Jude Law (und in einer kleinen Nebenrolle Armin Rohde) sehen sich tatsächlich einem tödlichen, sich schnell verbreitenden Virus gegenüber. Alles, was bei der Schweinegrippe nur befürchtet wurde, lässt Soderbergh wahr werden. Es hat sich nichts geändert: In einer global vernetzten Welt ist die Verbreitung eines Erregers nur eine Frage von Tagen, woran uns Soderbergh mit grausig-banalen Nah-Aufnahmen von Erdnussschalen, Wassergläsern und Händedrücken immer wieder erinnert. Als kleinen Subtext serviert er uns außerdem die zweite Seuche, die sich um die Welt ebenso schnell verbreitet hat: Genauso wie die Krankheitsviren gehen Gerüchte um die Welt, vermengen sich mit Informationen zu Halbwahrheiten, die von den Medien, von Bloggern zu einem noch gefährlicheren Cocktail verrührt werden.
Soderberghs Film verläuft fast schon dokumentarisch, mit einer angesichts von Millionen von Toten beinahe erschreckenden Gradlinigkeit, ist aber dennoch spannend und von den Darstellern (kein Wunder) sehr eindringlich rübergebracht. Wer nicht zu Paranoia und/oder Hypochondrie neigt, sollte ihn sich ansehen. Hust!
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