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Es gibt drei prominente Superhelden, die blau und rot tragen, sich also in die Farben der amerikanischen Flagge hüllen: DC’s Superman, Marvels Spiderman und, aus dem gleichen Haus, Captain America. Es ist fast ein wenig verwunderlich, warum letzterer, der zum Superheld gewordene Patriotismus, erst jetzt seinen Weg auf die Kinoleinwände gefunden hat, aber nun ist es soweit. Endlich darf “Cap” Comic-Nazis verdreschen, das es nur so eine Freude ist. Das gelungene Camp-Feuerwerk “Captain America: The First Avenger” markiert außerdem den Abschluss einer außergewöhnlichen Film-Reihe, mit der Marvel mit bewunderswert langem Atem auf ein Großprojekt hingearbeitet hat, das in einem Jahr in die Kinos kommen wird: “The Avengers” werden 2012 unter der Führung Captain Americas die Welt retten.
Die Story von Captain America ist schnell erzählt: Steve Rogers ist ein ebenso schmächtiger wie mutiger Jüngling. Durch seinen Willen schafft er es, in ein Supersoldaten-Programm der Regierung, dass Geist und Körper in Einklang bringt. Als nunmehr auch körperlich überlegener Kraftprotz stellt er sich in Europa den Schergen der Hydra-Organisation um Super-Nazi “Red Skull” entgegen. Er bezwingt den größenwahnsinnigen Urvater aller Superschurken, allerdings auf Kosten eines seeeehr langen Schlafs im ewigen Eis. 70 Jahre später erwacht Captain America zu neuem Leben und ist bereit, sich im Hier und Jetzt neuen Feinden zu stellen.
Schon am Titelbild des ersten offiziellen Captain America-Comics von 1942 sieht man, dass die Figur des “Cap” aus heutiger Sicht hart an der Trashgrenze liegt. Ein Supersoldat, der sich aus dem Star-Spangled Banner ein Kostüm geschneidert hat, haut Hitler persönlich eine runter. Es ist nicht schwer, aus so einer Vorlage entweder ein völlig albernes Pulp-Spektaktel zu machen, das Adam Wests Batman der 60er Jahre Konkurrenz machen könnte (“Pow! Crack!”), oder aber in Michael-Bayigem US-Kampfhubschrauberpatriotismus zu ertrinken. Die Macher des Films sind dieser Falle gut entkommen. Bevor er seinen Captain endlich in die Schlacht schickt, nimmt Regisseur Joe Johnston ihn erstmal kräftig auf den Arm. Mit einem schönen Kniff steckt er den Muskelprotz in Strumpfhosen, ohne dass es irgendwie fehl am Platz wirkt. Johnston weiß um den Trash-Charakter seiner Figur und macht diesen zur Stärke. Die Nazi-Schergen der Hydra etwa sind so blödsinnig, dass es nur eine Chance gibt: Diesen Blödsinn zu zelebrieren. Und so werden die echten Nazis auch ziemlich schnell pulverisiert, Hitler tritt nur als Revue-Figur auf. Hinweg mit der realen Geschichtsschreibung, wir sind hier im Marvel-Universe, keiner will hier wissen, wie ein Nazi wirklich ausgesehen hat.
Dass das Ganze nicht albern wirkt, ist auch den Darstellern zu verdanken: Hugo Weaving knüpft als Red Skull an beste, diabolische Agent Smith-Zeiten an. Neben ihm glänzt als stiller Star Toby Jones als Wissenschaftler Dr. Arnim Zola, der aus seinem ambivalenten Nebencharakter das Optimum an Potenzial heraus holt. Hervorzuheben sind noch Tommy Lee Jones als knorriger Colonel, der seinen Auftritt nicht lustlos abspult, sondern offensichtlich mit Spaß bei der Sache ist und Dominic Cooper als Howard Stark, der sehr intelligent Robert Downey Jrs. Tony “Iron Man” Stark zitiert. Ein wenig blass bleibt leider Hayley Atwell als Love Interest für den von Chris Evans mit viel Pathos gespielten Captain. Im Gegensatz zu dem schwachen Thor hat man sich hier auch Mühe mit der Ausstattung gegeben. Wähnte man sich bei Thor noch in einem quietschbunten Vergügungspark, kommt bei Captain America in stimmungsvoll gestalteten Settings 40er-Jahre-Atmosphäre auf. Düster und grau hingegen wirken die Trümmerlandschaften des Zweiten Weltkriegs, in denen der Captain auch einige schwere Verluste verdauen muss.
Insgesamt kommt Captain America als Comic-Verfilmung aus einem Guss daher, als gelungene Gratwanderung zwischen B-Film-Trash und Superhelden-Blockbuster. Damit ist das lange Film-Vorspiel zu einem Projekt der Superlative abgeschlossen: In einem Jahr werden Iron Man, Thor, der Hulk und Captain America gemeinsam die Welt retten. Wer in allen Vorgänger-Filmen aufmerksam bis nach dem Abspann war, kann sich ungefähr ausrechnen, welche Schurken den “Rächern” das Leben schwer machen werden. Und wir sind gespannt, was es eigentlich mit dem von Samuel L. Jackson in der wohl bisher längsten Cameo-Reihe der Film-Geschichte gespielten Nick Fury auf sich hat. Es ist alles bereitet: Rächer, versammelt euch!

