Monatsarchiv: August 2011

Captain America: Gelungener Nazi-Trash-Blockbuster

Cap vs. Hitler

Es gibt drei prominente Superhelden, die blau und rot tragen, sich also in die Farben der amerikanischen Flagge hüllen: DC’s Superman, Marvels Spiderman und, aus dem gleichen Haus, Captain America. Es ist fast ein wenig verwunderlich, warum letzterer, der zum Superheld gewordene Patriotismus, erst jetzt seinen Weg auf die Kinoleinwände gefunden hat, aber nun ist es soweit. Endlich darf “Cap” Comic-Nazis verdreschen, das es nur so eine Freude ist. Das gelungene Camp-Feuerwerk “Captain America: The First Avenger” markiert außerdem den Abschluss einer außergewöhnlichen Film-Reihe, mit der Marvel mit bewunderswert langem Atem auf ein Großprojekt hingearbeitet hat, das in einem Jahr in die Kinos kommen wird: “The Avengers” werden 2012 unter der Führung Captain Americas die Welt retten.

Die Story von Captain America ist schnell erzählt: Steve Rogers ist ein ebenso schmächtiger wie mutiger Jüngling. Durch seinen Willen schafft er es, in ein Supersoldaten-Programm der Regierung, dass Geist und Körper in Einklang bringt. Als nunmehr auch körperlich überlegener Kraftprotz stellt er sich in Europa den Schergen der Hydra-Organisation um Super-Nazi “Red Skull” entgegen. Er bezwingt den größenwahnsinnigen Urvater aller Superschurken, allerdings auf Kosten eines seeeehr langen Schlafs im ewigen Eis. 70 Jahre später erwacht Captain America zu neuem Leben und ist bereit, sich im Hier und Jetzt neuen Feinden zu stellen.

Schon am Titelbild des ersten offiziellen Captain America-Comics von 1942 sieht man, dass die Figur des “Cap” aus heutiger Sicht hart an der Trashgrenze liegt. Ein Supersoldat, der sich aus dem Star-Spangled Banner ein Kostüm geschneidert hat, haut Hitler persönlich eine runter. Es ist nicht schwer, aus so einer Vorlage entweder ein völlig albernes Pulp-Spektaktel zu machen, das Adam Wests Batman der 60er Jahre Konkurrenz machen könnte (“Pow! Crack!”), oder aber in Michael-Bayigem US-Kampfhubschrauberpatriotismus zu ertrinken. Die Macher des Films sind dieser Falle gut entkommen. Bevor er seinen Captain endlich in die Schlacht schickt, nimmt Regisseur Joe Johnston ihn erstmal kräftig auf den Arm. Mit einem schönen Kniff steckt er den Muskelprotz in Strumpfhosen, ohne dass es irgendwie fehl am Platz wirkt. Johnston weiß um den Trash-Charakter seiner Figur und macht diesen zur Stärke. Die Nazi-Schergen der Hydra etwa sind so blödsinnig, dass es nur eine Chance gibt: Diesen Blödsinn zu zelebrieren. Und so werden die echten Nazis auch ziemlich schnell pulverisiert, Hitler tritt nur als Revue-Figur auf. Hinweg mit der realen Geschichtsschreibung, wir sind hier im Marvel-Universe, keiner will hier wissen, wie ein Nazi wirklich ausgesehen hat.

Dass das Ganze nicht albern wirkt, ist auch den Darstellern zu verdanken: Hugo Weaving knüpft als Red Skull an beste, diabolische Agent Smith-Zeiten an. Neben ihm glänzt als stiller Star Toby Jones als Wissenschaftler Dr. Arnim Zola, der aus seinem ambivalenten Nebencharakter das Optimum an Potenzial heraus holt. Hervorzuheben sind noch Tommy Lee Jones als knorriger Colonel, der seinen Auftritt nicht lustlos abspult, sondern offensichtlich mit Spaß bei der Sache ist und Dominic Cooper als Howard Stark, der sehr intelligent Robert Downey Jrs. Tony “Iron Man” Stark zitiert. Ein wenig blass bleibt leider Hayley Atwell als Love Interest für den von Chris Evans mit viel Pathos gespielten Captain. Im Gegensatz zu dem schwachen Thor hat man sich hier auch Mühe mit der Ausstattung gegeben. Wähnte man sich bei Thor noch in einem quietschbunten Vergügungspark, kommt bei Captain America in stimmungsvoll gestalteten Settings 40er-Jahre-Atmosphäre auf. Düster und grau hingegen wirken die Trümmerlandschaften des Zweiten Weltkriegs, in denen der Captain auch einige schwere Verluste verdauen muss.

Insgesamt kommt Captain America als Comic-Verfilmung aus einem Guss daher, als gelungene Gratwanderung zwischen B-Film-Trash und Superhelden-Blockbuster. Damit ist das lange Film-Vorspiel zu einem Projekt der Superlative abgeschlossen: In einem Jahr werden Iron Man, Thor, der Hulk und Captain America gemeinsam die Welt retten. Wer in allen Vorgänger-Filmen aufmerksam bis nach dem Abspann war, kann sich ungefähr ausrechnen, welche Schurken den “Rächern” das Leben schwer machen werden. Und wir sind gespannt, was es eigentlich mit dem von Samuel L. Jackson in der wohl bisher längsten Cameo-Reihe der Film-Geschichte gespielten Nick Fury auf sich hat. Es ist alles bereitet: Rächer, versammelt euch!

2:8-Packung gegen ManUtd: Wenger drängelt zum Wühltisch

Arsenal London, einst ruhmreicher Klub aus der englischen Hauptstadt, episch besungen in Nick Hornbys ewigem Fußballbuch “Fever Pitch” steht am Abgrund. 2:8 wurde Arsenal von ManUnited versohlt. Die beiden Ehrentreffer waren die ersten Tore der Saison, au weia. Jetzt soll Super-Merte von der Weser helfen: In der letzten Saison war er einer der Garanten dafür, dass Werder Bremen nur 61 Gegentore kassierte und in dieser Statistik somit Köln, Gladbach und St. Pauli hinter sich ließ. Gratulation! Felix Magath hat jedenfalls schon die Boxhandschuhe angelegt: So schnell lässt sich der Wolfsburger Schnäppchenkönig nicht vom Spitzenplatz am Wühltischverdrängen.

 

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Lahm und die BILD-Zeitung: Unerträgliche Nähe

Fußball-Deutschland ist in heller Aufregung, schon wartet die Nation auf ein Machtwort der Kanzlerin. Philipp Lahm hat einen Ghostwriter beauftragt, seine Gedanken zur Fußballwelt irgendwie zu einem zusammenhängenden Ganzen zusammenzuschreiben und wandelt dabei auf Toni Schumachers Spuren. Die Aufregung um Lahms Buch ist natürlich viel zu groß. Was einen aber verstören muss, ist dessen unerträgliche Nähe zur BILD-Zeitung.

 

Gelesen haben das mutmaßliche Machwerk bislang nur Wenige, aber das, was in Lahms Lieblingszeitung* zu lesen war, reicht aus, um eine Debatte loszutreten, die auf der nach oben offenen Sarrazin-Skala einen gehobenen Wert erreicht. Lahm legt sich mit Rudi Völler und Jürgen Klinsmann an, die zwar als Fußballer das erreicht haben, wovon der kleine Philipp bislang nur träumenkann, die er aber als Trainer offenbar für nicht auf der Höhe der Zeit wähnt. Auch der zweimalige Double-Gewinner der Bayern, Felix Magath, bekommt sein Fett weg, ebenso wie Meistertrainer van Gaal.

 

Es würde sich nicht lohnen, darauf zu setzen, dass Philipp Lahms steile Thesen den deutschen Fußball nachhaltig verändern werden. Eher kann man davon ausgehen, hier einen sicheren Kandidaten für die Bücherwühltische des Jahres 2012 zu haben, direkt neben anderen Meisterwerken der Fußball-Literatur. Die Frage, ob man als 27-Jähriger Profi über klugscheißen muss, wie ein Trainer zu sein hat, stellt sich eigentlich nicht. Eher hat man hier einmal mehr den Beweis, dass jeder noch so vermeintlich intelligente Fußballer die Hände von allem lassen sollte, was nicht mit runden Lederbällen zu tun hat.

 

Was ich viel schlimmer finde, ist Lahms Nähe zur BILD-Zeitung. Den Vorabdruck seiner steilsten Thesen gab es natürlich bei BILD, für die Lahm auch Werbebotschafter ist. Ich fand Lahm mal nett und authentisch, vor allem im Sommermärchen-Film von Sönke Wortmann hat er eine sehr schöne Szene, als er mit seinem kaputten Arm im Bett liegt und sich wie in Kind darauf freut, vielleicht doch im Eröffnungsspiel dabei sein zu können. Der Rest ist bekannt. Was ist in diesen Jahren nun mit viel Philipp Lahm passiert? Er ist der Prototyp des angepassten, kalkulierten Profis, der sich keine Allüren leistet. Das fanden viele mal toll, inzwischen ist es einfach nur (sorry) lahm. Nichts von dem, was Lahm noch tut, kann ich ernst nehmen. Ich muss bei allem eine tiefere Absicht vermuten, die in irgendeiner Form darauf zielt, sein Image als Musterprofi zu stärken.

 

Schön, dass Lahm so super mit der BILD klar kommt und damit einen sicheren Rückhalt in der Medienlandschaft hat. Aber da sind mir Menschen wie Jürgen Klinsmann lieber, die sich mit eigenen Gedanken auch gegen Deutschlands angeblich mächtigste Fußballredaktion positioniert haben, anstatt von eben dieser Redaktion fremdgesteuert zu wirken.

 

*Es gibt bewusst keinen Link zu dem Werbespot, den Philipp Lahm für die Zeitung gedreht hat.

Winnetou kehrt mal wieder zurück

Eine Nachricht, die für verhaltene Vorfreude sorgt: Winnetou und Old Shatterhand sollen zurück kommen. Mal wieder. Es gibt kaum eine deutsche Roman-Figur, die sich einer so nachhaltigen popkulturellen Zweit-Verwertung erfreut, wie der Häuptling der Apachen. Je nach Zählung gibt es über 20 Karl-May-Filme, dazu eine Zeichentrickserie mit dem ultradämlichen Titel “Winnetoons“, die ich allerdings nie gesehen habe. 1998 gab es einen peinlichen Comeback-Versuch von Ur-Winnetou Pierre Brice, dem wie so vielen gealterten Stars am Ende nichts übrig blieb, als immer und immer wieder die Rolle seines Lebens zu spielen. So lange, bis er anscheinend eins wurde mit dieser Leinwand-Persona. Und dann ist da ja noch die tatsächlich ganz witzige Parodie “Schuh des Manitu“.
Am bekanntesten aber dürften jene 17 Karl-May-Filme sein, die zwischen 1962 und 1968 (!) entstanden. Nicht nur Winnetou und Old Shatterhand wurden in dieser Zeit zu Leinwand-Stars, wir folgten den verschiedenen Alter Egos von Karl May auch zu den Inkas und ins wilde Kurdistan. Der Look dieser Film mit den kroatischen Settings, die Kostüme, einfach alles sind sicher unverwechselbar und  genauso fester Bestandteil des deutschen Kinogedächtnisses geworden wie des familiären Sonntagnachmittagprogramms.
Nun also ein neuer Winnetou-Film, als Drehbuchautor ist angeblich der Schreiber vom Oscar-Abräumer “Der mit dem Wolf tanzt” engagiert. Einerseits ist die Vorstellung reizvoll, noch einmal einen Winnetou-Film in echter Western-Optik im modernen Kino-Look zu sehen. Andererseits ist natürlich zu befürchten, dass am Ende ein seelenloses Kommerzprodukt rauskommt, dass Hollywood-Kino sein will, aber in biederer deutscher TV-Optik hängen bleibt.
Spannend wird natürlich die Frage, wer Winnetou und Old Shatterhand spielen wird. Vor allem Lex Barker ist meiner Meinung nach damals ein echter Coup gewesen, weil er der ganzen Produktion den nötigen Schuss Internationalität mitgegeben hat. Ob so etwas wieder gelingen kann? Aber solange nicht Til Schweiger auf Hatatitla gesetzt wird, ist mir eigentlich alles egal.

Movie Double Feature: Super 8 und Planet der Affen: Prevolution

Super 8

Eigentlich gehört es sich nicht, schon wieder mit dem verkorksten Sommer anzufangen, aber im Fall von Super 8 bietet es sich an. Denn dieser Film zeigt einem 112 Minuten lang zumindest, wie es sein könnte. Die erste Liebe, mit den besten Kumpels abhängen und Blödsinn anstellen, während die Eltern mit besserem beschäftigt sind, die letzten Monaten an der Schwelle zwischen Kindheit und Erwachsen werden; irgendwie kennt jeder diese Zeit, die tatsächlich vielleicht die beste, wenigstens die unbeschwerteste des Lebens ist. Super 8 von J.J. Abrams weckt in einem tatsächlich das Verlangen, diese Zeit möge noch einmal zurückkehren. Wobei die meisten von uns auf ein wütendes Monster als Begleitung verzichten könnten.

Super 8 ist aber mehr, als eine weitere Verfilmung des “Sommer unseres Lebens”. Super 8 ist eine Liebeserklärung an den Film an sich. Abrams (und Produzent Spielberg) erinnern uns in Zeiten seelenloser Materialschlachten wie Transformers oder Green Lantern daran, wie wenig es eigentlich braucht, um einen guten Film zu machen. Wichtig ist, dass man seinen Film und vor allem dessen Charaktere ernst nimmt. Und natürlich braucht es Liebe, viel Liebe: Liebe für seine Arbeit, Liebe zum Detail, Liebe im Film. “Wenn man weiß, dass sie ihn liebt, will man nicht, dass er stirbt. Irgendwie”, erklärt uns Nachwuchs-Regisseur Charles das simple Rezept, das selbst einen Zombie-B-Film zu einem liebenswerten Stück Kino macht.

Es ist viel über die Hommage an die 80er geschrieben worden, die dieser Film natürlich auch ist. Am Ende allerdings kann auch Abrams nicht der Versuchung widerstehen, noch einmal mächtig in die Krach-Bumm-Kiste zu greifen. Dabei hätten es ein paar Chinaböller auch getan. Es ist vielleicht der einzige Wermutstropfen in einem ansonsten überzeugenden Film, nach dem man unbedingt noch einmal 14 sein möchte. Nur ohne Monster.

Planet der Affen: Prevolution

Wir alle haben sie in uns, komischerweise gibt es eine sehr große Furcht vor ihnen. Gene galten in ihren guten Zeiten mal als die Bausteine des Lebens. Mittlerweile hat das Image der guten alten Desoxyribonukleinsäure heftig gelitten. Als Vorsilbe ist “Gen-” nur noch wenig beliebter als “Nazi-”, während die Shootingstars “Bio-” und “Öko-” längst an ihm vorbei gezogen sind. Dabei sind Gene keinesfalls böse, zumindest würde es uns ohne sie nicht besonders gut gehen. Aber gerade weil sie so essenziell für unsere Existenz sind, möchten wir einfachen Menschen sie gerne einfach in einen Giftschrank legen, diesen mit den dicksten Schlössern, die es gibt, verriegeln und die Schlüssel alle ins Meer werfen. Wer die Gene antastet, “spielt Gott”, wie es in Diskussionen immer gerne verschlagwortet wird.

“Prevolution” ist ein Film über diese Angst. Leider wird auch das Vorspiel zu der legendären Sci-Fi-Parabel nicht dazu beitragen, dass die Menschheit einen rationaleren Umgang mit dem Thema an den Tag legt. Den der junge Wissenschaftler Will Rodman (James Franco) gehört genau zu der Sorte Forscher, die uns nicht geheuer sind. Er stellt den Fortschritt (aus persönlichen Motiven) über alles und riskiert damit zu viel. Und gerade in dem Moment, als ihm das bewusst wird und er die Reißleine ziehen will, grätscht ihm des Menschen größte Schwäche rein. Die Gier des ihn beschäftigenden Pharmakonzerns ist schließlich der Tropfen auf dem heißen Stein. Die Revolution der Affen nimmt ihren Lauf.

Prevolution ist ein mitreißender Film geworden, der von Anfang an ein hohes Tempo anschlägt. Das muss auch sein, da das Endergebnis der Geschichte ja bekannt ist. Das Publikum darf auf keinen Fall gelangweilt werden und das gelingt Regisseur Rupert Wyatt auch über weite Strecken, wenngleich man den ein oder anderen rabiaten Umgang mit der Handlung übersehen muss. Nur als die ganze Geschichte in eine klassische, wenn nicht klischeehafte Gefängnis-Story abdriftet, muss man sich kurz zusammenreißen, dabei zu bleiben. Beeindruckend sind vor allem die komplett animierten Affen: “Gollum” Andy Serkis leihte Protagonist Caesar seine Bewegungen und Mimik. Doch es wurde bewusst darauf verzichtet, echte Affen in einigen Szenen einzusetzen. Das wäre etwas zu “ironic” gewesen, hatte Rupert Wyatt in einem Radiointerview gesagt.

Hoch damit und raus mit ihnen – Comeback für Saber Rider

“Bestätige, April! Ramrod übernimmt ab sofort die Steuerung. Kampfbereitschaftsphase Eins. Hoch damit und raus mit ihnen! Volle Energie! Und fertig ist die Ramrod Infanterie!”

Unter den prägenden Zeichentrickserien meiner Kindheit und Jugend nimmt Saber Rider and the Star-Sheriffs sicherlich einen Spitzenplatz ein. Die Geschichte um eine Truppe von Weltraum-Cowboy-Gesetzeshütern, die mit einem Kampfroboter gegen Phantombösewichte aus einer anderen Dimension kämpfen, ist mir bis heute präsent. Nun bin ich auf ein Projekt aufmerksam geworden, dass ein Comeback der Serie verspricht. Und zwar als Videospiel! Chris Strauß, Spiele-Entwickler und selbst großer Fan der Serie, versucht seinen Traum vom eigenen Saber Rider-Spiel zu verwirklichen. Finanziert wird das ganze zum Teil über Crowdfunding. Anfang 2012 soll das Ding auf verschiedenen Konsolen erscheinen. Wer wie ich jetzt neugierig geworden ist, kann den Fortgang des Projekts zum Beispiel auf der Facebook-Seite verfolgen.

Ich vs Ich

Ich habe zwei Twitteraccounts, einen privaten und einen, den ich beruflich nutze. Das schöne Tool Visual.lyzeigt sie im Vergleich.

Twitter-battle