FIFA, Fußball und das schlechte Gewissen

Ich hatte diesen Blogpost schon zu zwei Dritteln fertig, als mich die Ereignisse einholten. Was im Vorfeld der Wahlen zum FIFA-Präsidenten los ist, ist beispiellos. Die Zustände in der Fußballregierung sind wohl vergleichbar mit denen römischer Senate. Brutus Bin Hamman wollte eigentlich seinen Cäsar Blatter meucheln, musste dann aber feststellen, dass er sich dabei verhoben hat. Doch was jetzt folgt, ist wohl beispiellos. Derzeit sieht es so aus, als würden die jahrzehntelangen Seilschaften des Züricher Fußballseniorenheims zerreißen. Die mühsam aufrecht erhaltene Fassade von Brüdern, die gemeinsam das Beste für den Fußball wollen, zerbröckelt. Die dauerlächelnden Teiggesichter der alten Männer sind zu Masken erstarrt. Nun, da die ersten die Masken ablegen, kommen dahinter die Fratzen des Fußballs zum Vorschein. Von Macht- und Geldgier verblendete Sportdespoten sehen, dass ihr scheinbar stabiles Geflecht aus Abhängigkeiten und Gefälligkeiten nicht aus Vertrauen geknüpft war. Jetzt ist sich jeder nur noch selbst der nächste.

 

Es ist müßig, mehr über diesen Skandal zu schreiben, wo andere das besser können. Die beiden besten deutschen Sportblogger, Jens Weinreich und Dogfood, haben jedenfalls schon mehr als lesenswerte Lektüre zu den Vorgängen innerhalb der FIFA verfasst, und man kann nicht mehr tun, als sie zu verlinken, wo immer es geht. Einmal mehr wird einem Gewahr, wie die FIFA den Fußball systematisch zersetzt hat. Mit jedem Euro, den man für den organisierten, internationalen Fußball ausgibt, mit jeder Minute, mit der man die millionenschweren Übertragungen der Öffentlich-Rechtlichen schaut, unterstützt man dieses System. Es ist ein Gewissenskonflikt: Natürlich ist der Sport großartig, WM-Turniere sind vier Wochen emotionaler Ausnahmezustand. Darf man sich aber an einem Spektakel erfreuen, dass auf derart schmutzige Weise zu Stande kommt. Die drei kommenden Weltmeisterschaften stehen alle im Zeichen der Korruption. Der Chef des brasilianischen Verbands, Ricardo Teixeira ist einer der Hauptbeschuldigten in einem der größten Bestechungsskandale der Sportgeschichte. Russland ist Putin, Katar ist Katar, mehr muss man nicht sagen. Bin Hamman kommt aus Katar und wie dort alles zusammen hängt, kann man in einer Geschichte vom SZ-Magazin nachlesen.

 

Der internationale Fußball ist am Ende. Man kann sich noch von tollen Inszenierungen wie der anstehenden Frauenfußball-WM blenden lassen, wenn man möchte. Aber der Lack ist ab. Die dicksten Enthüllungen kommen sicher noch und wie es aussieht, lassen die alten Herren jetzt alle Hemmungen fahren. Jetzt wird nicht mehr mit dem Florett die Intrige ausgefochten, jetzt holen sie das Breitschwert raus. Die einzige Hoffnung, die man haben kann, ist, dass am Ende vielleicht der dringend benötigte Neuanfang steht. Glauben mag man das indes nicht. Nicht solange auch Leute wie Theo Zwanziger mitmischen, der jüngst in der in der Rhein-Zeitung bekannte:

Die Fifa hat unter Sepp Blatter in der Sache vieles richtig gemacht. Aber sie hat, auch das ist unstrittig, aktuell ein akutes Kommunikations- und Imageproblem.

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