Monatsarchiv: Mai 2011

FIFA, Fußball und das schlechte Gewissen

Ich hatte diesen Blogpost schon zu zwei Dritteln fertig, als mich die Ereignisse einholten. Was im Vorfeld der Wahlen zum FIFA-Präsidenten los ist, ist beispiellos. Die Zustände in der Fußballregierung sind wohl vergleichbar mit denen römischer Senate. Brutus Bin Hamman wollte eigentlich seinen Cäsar Blatter meucheln, musste dann aber feststellen, dass er sich dabei verhoben hat. Doch was jetzt folgt, ist wohl beispiellos. Derzeit sieht es so aus, als würden die jahrzehntelangen Seilschaften des Züricher Fußballseniorenheims zerreißen. Die mühsam aufrecht erhaltene Fassade von Brüdern, die gemeinsam das Beste für den Fußball wollen, zerbröckelt. Die dauerlächelnden Teiggesichter der alten Männer sind zu Masken erstarrt. Nun, da die ersten die Masken ablegen, kommen dahinter die Fratzen des Fußballs zum Vorschein. Von Macht- und Geldgier verblendete Sportdespoten sehen, dass ihr scheinbar stabiles Geflecht aus Abhängigkeiten und Gefälligkeiten nicht aus Vertrauen geknüpft war. Jetzt ist sich jeder nur noch selbst der nächste.

 

Es ist müßig, mehr über diesen Skandal zu schreiben, wo andere das besser können. Die beiden besten deutschen Sportblogger, Jens Weinreich und Dogfood, haben jedenfalls schon mehr als lesenswerte Lektüre zu den Vorgängen innerhalb der FIFA verfasst, und man kann nicht mehr tun, als sie zu verlinken, wo immer es geht. Einmal mehr wird einem Gewahr, wie die FIFA den Fußball systematisch zersetzt hat. Mit jedem Euro, den man für den organisierten, internationalen Fußball ausgibt, mit jeder Minute, mit der man die millionenschweren Übertragungen der Öffentlich-Rechtlichen schaut, unterstützt man dieses System. Es ist ein Gewissenskonflikt: Natürlich ist der Sport großartig, WM-Turniere sind vier Wochen emotionaler Ausnahmezustand. Darf man sich aber an einem Spektakel erfreuen, dass auf derart schmutzige Weise zu Stande kommt. Die drei kommenden Weltmeisterschaften stehen alle im Zeichen der Korruption. Der Chef des brasilianischen Verbands, Ricardo Teixeira ist einer der Hauptbeschuldigten in einem der größten Bestechungsskandale der Sportgeschichte. Russland ist Putin, Katar ist Katar, mehr muss man nicht sagen. Bin Hamman kommt aus Katar und wie dort alles zusammen hängt, kann man in einer Geschichte vom SZ-Magazin nachlesen.

 

Der internationale Fußball ist am Ende. Man kann sich noch von tollen Inszenierungen wie der anstehenden Frauenfußball-WM blenden lassen, wenn man möchte. Aber der Lack ist ab. Die dicksten Enthüllungen kommen sicher noch und wie es aussieht, lassen die alten Herren jetzt alle Hemmungen fahren. Jetzt wird nicht mehr mit dem Florett die Intrige ausgefochten, jetzt holen sie das Breitschwert raus. Die einzige Hoffnung, die man haben kann, ist, dass am Ende vielleicht der dringend benötigte Neuanfang steht. Glauben mag man das indes nicht. Nicht solange auch Leute wie Theo Zwanziger mitmischen, der jüngst in der in der Rhein-Zeitung bekannte:

Die Fifa hat unter Sepp Blatter in der Sache vieles richtig gemacht. Aber sie hat, auch das ist unstrittig, aktuell ein akutes Kommunikations- und Imageproblem.

Champions League: Alles, was man fürs Finale wissen muss…

… steht nicht in diesem Blogbeitrag. Heute abend findet das wichtigste Spiel des europäischen Vereinsfußballs statt, und mit Barca und Man United stehen sich zwei der besten Teams der Welt gegenüber. Man könnte jetzt seitenlange Vorschauen schreiben und sich einen abbrechen bei der Prognose, wer gewinnt, ob Messi oder Rooney besser ist (Antwort: Iniesta) oder welcher Coach mehr drauf hat. Man kann aber auch einfach diese brilliante Vorschau von Zonal Marking lesen. Damit sollte man für alle Diskussionen heute abend gerüstet sein.

Ghostbusters II – Fettes Brot-Busters live in Hamburg

Kleiner, aber fetter Nachtrag zum Ghostbusters-Eintrag von gestern

 

Video: Ghostbusters-Tour durch New York

Vor kurzem bin ich über ein großartiges Fanvideo gestolpert, in dem zwei Ghostbusters-Fans die Original-Drehorte der beiden Filme besuchen. Witzigerweise habe ich mir vor kurzem selbst die beiden Filme auf DVD geholt, weil ich sie mal wieder sehen wollte. Manchmal vergisst man ja, wie prägend bestimmte Dinge für eine Zeit waren. Jetzt, nachdem ich die beiden Filme noch mal gesehen habe und diese Doku, fällt mir wieder ein, wie sensationell die Ghostbusters in meiner Kindheit waren. Ghostbusters I ist von 1984, Teil II von 1989, sie kamen also erst mit der Fernsehausstrahlung in meinen geistigen Horizont. Aber da gab es ja auch noch die Zeichentrickserie, die definitiv zu meinen Lieblingsserien damals gehörte. Der Titelsong gehört bis heute auf jede gute 80er Party und ist sicherlich einer der besten Filmsongs überhaupt. Zitate aus dem Film wie “Nicht die Strahler kreuzen!”, “Hört mal, ich rieche was” oder einfach nur “Zuuul” (vorzugsweise beim Öffnen des eigenen, verdreckten Kühlschranks) sind Klassiker und fast popkulturäres Allgemeingut.
Wenn man sie die Filme als Erwachsener mit ein paar Jahren Abstand ansieht, sieht man sie natürlich mit ganz anderen Augen. Früher fand man sie vor allem wegen der Geisteraction und dem Slapstick-Humor gut. Jetzt erst weiß man den subtilen Bill Murray-Humor wirklich zu schätzen, der beide Filme locker trägt. Die Ghostbusters stecken jedenfalls voller schöner Kindheitserinnerungen. Wem das genauso geht, dem empfehle ich dringend, diese Doku zu gucken.

 

 

P.S. Während ich das schreibe, lese ich, dass die Feuerwache, die den Ghostbusters als Hauptquartier diente, geschlossen werden soll. Im Film war sie natürlich bereits stillgelegt, tatsächlich war sie über die Jahre immer in Betrieb. Jetzt wird sie mit 20 Jahren Verspätung von ihrer eigenen Filmhistorie eingeholt.

BVB: Der Meister im Elfmeter verschießen – Warum eigentlich?

Es gibt vieles am Fußball, dass ich nicht verstehe. Ist ja auch kein Wunder, ich habe selbst nie aktiv im Verein gespielt, sondern immer nur hobby-mäßig. Vielleicht liegt es daran, dass mir nicht in den Kopf geht, wie man sechs Elfmeter am Stück verschießen kann. Zum Glück wird die Meisterschaft nicht im Elfmeterschießen vergeben, sonst wäre Dortmund vermutlich Abstiegskandidat. Fünf Elfmeter haben die Borussen diese Saison bekommen und keinen versenkt; dazu kommt noch ein vergebener Elfer von Sahin aus der Vorsaison. Das ist der schlechteste Wert aller Bundesligisten. Ähnlich mies ist der VfL Wolfsburg, der ebenfalls keinen seiner vier Strafstöße versenken konnte.
Mir ist das ehrlich gesagt schleierhaft. Nicht umsonst spricht man von einer Standardsituation. Man kann Elfmeterschießen TRAINIEREN, verdammt noch mal. Ich will jetzt nicht die Leier von den faulen Millionären rausholen, aber wenn man als Stürmer jeden Tag nach jedem Training 15 Minuten länger bleibt und noch 25 mal übt, vom Elfmeterpunkt in den Winkel zu schießen – was man wohl als effektivste Methode bezeichnen kann – dann müsste man das doch irgendwann blind beherrschen (gleiches gilt meiner Meinung nach übrigens für Beidfüßigkeit, aber das ist ein anderes Thema, vielleicht ein andermal). Ich lasse auch nicht gelten, dass die Situation im Stadion immer anders ist. Das sind Profis, die stehen jeden Samstag und oft auch noch jeden Mittwoch in einem Stadion mit mindestens 20.000 Zuschauern. Für die sollte es eher schwierig sein, wenn es plötzlich keine Kulisse gibt.
In seinem Standardwerk “Fast alles über Fußball” schreibt Christoph Biermann über die Schwierigkeit, einen Elfmeter zu halten:

 

Die Fläche eines Tores beträgt fast 18 Quadratmeter, ein Torwart kann mit ausgestreckten Armen nur ungefähr ein Drittel abdecken. Beim Elfmeter erreichen die Schützen beim Schuss zwischen 70 und 130 km/h, der Ball braucht zwischen 570 und 305 Millisekunden für die elf Meter bis zur Torlinie. Wenn ein Torwart so schnell reagiert, wie ein Sprinter auf den Startschuss, also nach etwa 150 Millisekunden, hat der Ball also möglicherweise schon die Hälfte des Weges hinter sich. Außerdem ist er noch immer drei Meter vom Ball entfernt, sollte der Schütze präzise geschossen haben.

Die Präzision des Schusses ist der einzige Schwachpunkt. Mangelnde Präzision lässt sich zum Teil mit Gewalt wettmachen, aber wer den Keeper anschießt, schießt ihn halt an. Wer präzise auf den Giebel zielt, wird mit 99,5 prozentiger Sicherheit treffen, wenn der Torwart nicht plötzlich Jedi-Kräfte erlangt.
Bei drei seiner vier verschossenen Elfer hat Sahin den möglichen Sieg vergeben, die Spiele endeten 1:1. In der nächsten Saison spielt Dortmund Champions League. Da kann man sich solche Punktverluste nicht mehr leisten. Jürgen Klopp wäre gut beraten, sich mal zwei oder drei sichere Schützen heranzuziehen. Wie gesagt, einfach 15 Minuten länger machen jeden Tag. Dürfte reichen.
Anschauungsunterricht gibt es übrigens bei meinen Millos: Im (leider verlorenen) Elfmeterschießen im Pokalfinale 2009 macht unser Altmeister Corni mustergültig vor, wie man vom Punkt elegant versenkt (bei 4:55min)
<p>Pokalfinale Bunte Liga Rheinhessen 2009 from Nerdy Nerd on Vimeo.</p>

Capoeira am Mainzer Rheinufer

Der Schweiß tropfte Niklas Jürgens am ganzen Körper runter, auf der Visitenkarte, die er mir in die Hand drückte, hinterließ er schmutzige Fingerabdrücke. Kein Wunder, wenn man sich minutenlang am Rheinufer im Dreck wälzt. Wobei halt: Jürgens wälzt sich nicht: Er tanzt, er gleitet, er fegt, er fliegt über den Boden, wenn er sich mit seinen Mitstreitern zum Capoeira-Spiel trifft. Getreu dem Motto “Die beste Kamera ist die, die man dabei hat”, zückte ich das IPhone dabei und konnte ein paar Sekunden dieser unvergleichlich schönen Sportart einfangen.

 

 

Mighty Morphin’ Asgard Rangers: Thor im Kino

Wenn es um Comic-Verfilmungen geht, zeige ich leider ganz schreckliches Suchtverhalten. Ich muss sie mir angucken, egal, wie wenig vielversprechend sie sind. Nun also Thor, einer der klassischen Marvel-Heroen. Verfilmt wurde die Geschichte des Donnergottes, der von seinem Vater Odin auf die Erde geschickt wird, um erwachsener zu werden, von Kenneth Brannagh, einem Shakespeare-Regisseur und Darsteller. Da kann man schon mal sowas in Richtung Dark Knight erwarten: Blockbuster-Superhelden-Kino mit zumindest so etwas wie Tiefgang. Doch natürlich kommt es anders.

Nach 1000 Jahren erwacht eine böse Macht zu neuem Leben. Doch eine allmächtige Wesenheit ist für den letzten Kampf gerüstet und schickt mit seinem treuen Diener eine Gruppe junger Helden in die Schlacht. Dazu steckt er sie in bunte Plastikkostüme und rüstet sie mit allem aus, was es braucht, um gegen das Böse zu bestehen. Das ist jetzt ziemlich verkürzt die Inhaltsangabe der 90er-Jahre-Kids-Serie “Mighty Morphin’ Power Rangers”, die offenkundig als Inspirationsquelle für den neuen Marve-Film Thor diente. Der ist jedenfalls so penetrant auf PG-13-Rating getrimmt, dass es wehtut. Wo man mit einer sturmumtosten, verschneiten Götterwelt rechnete, bekommt man eine Art Mega-Disneyland. Thor und seine Kameraden tragen statt Kettenhemd und Fell, wie es sich für nordische Recken geziemen würde, billige Karnevalskostüme aus Plastik. Und statt Shakespeare gibt es Dialogfetzen, die sich ein 12-Jähriger ausgedacht haben könnte. Ich hab mich bei diesem ganzen Müll nur eines gefragt: Wann kommt endlich der grüne Ranger?

Instant Review Frankfurt-Tatort: Nicht wer, sondern wo ist der Mörder?

Schon nach wenigen Minuten war man geneigt, die Augen zu verdrehen: Nina Kunzendorf als Kommissarin Conny Mey legte direkt zum Einstieg einen Auftritt hin, der nicht nur ihr Pendant Joachim Krol alias Steier zur Weißglut brachte. Hohe Stiefel, tiefer Ausschnitt, freches Mundwerk, zupackend und immer auf der Seite der Schwachen und Entrechteten: Mehr Fernsehkommissarin-Klischee ging eigentlich nicht. Und auch Krols Charakter muss jetzt nicht unbedingt als Neuerfindung des Kommissarentypus durchgehen. Die vielen einsamen Wölfen, die die Krimilandschaft durchstreifen, könnten sich längst zu einem eigenen Rudel zusammenschließen.

Die Nachfolger vom verschrobenen Duo Dellwo/Sänger kommen definitiv vom Krimireißbrett, auch wenn der ein oder andere ältere Zuschauer Kunzendorfs tiefe Einblicke in die Tatort-Welt auch heute noch für gewagt halten mag. Natürlich fliegen also erstmal ordentlich die Fetzen, bevor die gegensätzlichen Ermittler – Na, so was! – doch noch zusammenfinden, um das Schlimmste zu verhüten. Das ist zum Glück unterhaltsam geschrieben und gespielt, so dass man sich mit Krol und Kunzendorf trotz der Vorhersehbarkeit nicht langweilt.

Während also die Kommissar wenig Überraschungen bieten, ist es Drehbuchautor und Regisseur Lars Kraume zumindest gelungen, mit dem Plot jegliche Krimistandards über den Haufen zu werfen und diesen Fall damit auch über den Tatort-Durchschnitt zu heben. Damit bleibt er den hessischen Vorgängern treu: Die klassische Mörderhatz ist nicht das, was man am Main erwarten darf und das ist auch gut so. Es ist schon eine gewisse Dreistigkeit, in einem Sonntagabend-Krimi erst zehn Minuten vor Ende des Films einen Toten zu präsentieren. Noch dreister ist es, eine Mordkommission in ihren ersten gemeinsamen Fall zu schicken, ohne dass es einen Mörder zu fassen gibt.

Die Geschichte um einen tragischen Verkehrsunfall und seine Folgen lebt von einem guten Darstellerensemble aus dem Justus von Dohnyani als durchgeknallter und gefährlicher Stalker herausragt. Seit er im “Experiment” den Psychopathen gab, ist er für mich einer der Schauspieler, vor denen ich mich auf der Straße unwillkürlich gruseln würde. Wie gut er “den Irren kann”, zeigt er hier einmal mehr. Zu erwähnen wäre noch Gerd Wameling, der sein Comeback als Staatsanwalt gibt; die Rolle, mit der er über Jahre in Wolffs Revier auf den deutschen Bildschirmen präsent war.

Schade, dass Kraume in dem von ihm ersonnen Geflecht aus Schuldgefühlen, Stalking, Vater-Sohn-Drama, einem notgeilen Polizisten und der Einführung seiner Protagonisten irgendwann ein wenig den Überblick verloren hat. Vor allem die Hintergründe der Beziehungen in der Familie des irren Stalking-Vaters bleiben etwas rätselhaft. Um das viele Ungefähre zu kaschieren, geht es dann leider nicht anders, als das ein oder andere Klischee zu bemühen, etwa die tote Ehefrau, die immer noch beim Abendessen ihren Teller vom Psycho-Vater gereicht bekommt.

Doch der Fall an sich stand hier ohnehin im Hintergrund: Wichtig war, Steier und Mey als neue Ermittler so einzuführen, dass man sie auch beim nächsten Mal sehen will. Und das dürfte trotz der kleinen Mängel gelungen sein. Die Chemie zwischen Krol und Kunzendorf stimmt und bei beiden dürfen wir erwarten, dass sowohl unter seiner rauen Schale als auch ihrer bunten Hülle noch das ein oder andere Geheimnis verborgen liegt, wie es sich für den heutigen Fernsehkommissar auch gehört. Wenn dann beim nächsten Mal auch noch ein Mörder dabei ist, fehlt wirklich nix mehr.

Barack Obama im War Room: 24 wird Wirklichkeit

Am heutigen Mittwoch (und damit wie immer etwas verspätet) staunte die deutsche Presse, wie Barack Obama den Einsatz gegen Osama bin Laden live aus dem War Room des Weißen Hauses verfolgte. In seltener Einmütigkeit (oder Eintönigkeit) titelten die großen Zeitungen BILD, Welt, SZ, FAZ mit Obama, wie er den Einsatz seiner Elite-Truppe verfolgte; fast alle sogar mit dem gleichen, von den PR-Strategen des Weißen Hauses raus gegebenen Bildes. Auch viele Regionalblätter zeigten, wie der US-Präsident den Einsatz verfolgte, in Strickjacke und Poloshirt, als würde er das Finale des Super-Bowl gucken. Fehlte nur noch das Popcorn. Dass der US-Präsident am Verlauf der von ihm genehmigten Mission, die zum größten Triumph seiner Amtszeit werden soll, Interesse zeigt, finden die hiesigen Medien offenbar höchst faszinierend. Mich hingegen überraschen die Bilder kaum. Ich habe sie sogar schon gesehen. Das Geschehen im War Room wurde den Fernsehzuschauern nämlich schon lange vorher in der Echtzeit-Agentenserie 24 präsentiert. Einmal mehr zeigt sich, dass keine Serie und kein Kinofilm den Kampf gegen den Terror so genau abgebildet hat, wie die acht Staffeln um den Superagenten Jack Bauer.

Mit Ausnahme der ersten Staffel, in der es um den schwarzen Präsidentschaftskandidaten David Palmer geht, spielt die Person des US-Präsidenten in allen Staffeln eine große Rolle. Die Zuschauer sind mitten drin, wenn der mächtigste Mann der Welt entscheiden muss, ob ein Zeuge gefoltert wird, um an seine Informationen zu kommen, ob Zivilisten geopfert werden, um eine größere Katastrophe abzuwenden oder ob man zum (atomaren) Gegenschlag gegen einen vermeintlichen Terror-Staat ausholt. Und wenn Jack Bauer ins Feld zieht, um seine aberwitzigen Missionen zu erfüllen, ist Mr. oder Madame Präsident selbstverständlich am Monitor mit dabei und verfolgt live, wie den Feinden der USA von Bauer das Fell über die Ohren gezogen wird.
Die Serie ist nicht nur wegen ihrer Erzählweise sehenswert. Es ist immer wieder bemerkenswert, wie Realität und Fiktion im Fall von 24 korrespondieren. Ob es um eine schwarzen US-Präsidenten geht, den Einsatz von Folter im Kampf gegen Terror, der Durchsetzung von härteren Anti-Terrorgesetzen, die vor allem gegen Muslime gehen: 24 hat viele reale Entwicklungen vorweg genommen. Das ging sogar soweit, dass sich US-Soldaten im Irak bei ihren Verhören angeblich auf die Serie als Vorbild beriefen, die Fiktion über den Kampf gegen Terror also auf die Realität zurück wirkte. Es wurde sogar spekuliert, dass das Auftauchen eines schwarzen US-Präsidenten in einer derart erfolgreichen Serie Obamas Erfolg mitbegünstigt hat.
Nun also sehen wir diesen schwarzen Präsidenten im War Room und sicherlich werden alle 24-Fans dabei an David Palmer gedacht haben, der die 24-USA über zwei Staffeln regierte und einer der beliebtesten Charaktere der Serie ist. Und es würde nicht überraschen, wenn auf der anderen Seite des Bildschirms ein realer Jack Bauer agierte, unaufhaltsam sich zu Osama bin Laden vorkämpfend. Dann plötzlich ein kurzer Bildausfall. Minuten vergehen wie Stunden, dann ist das Bild wieder da. Blechern klingt durch die Lautsprecher im Office die Stimme des Super-Agenten. “Bin Laden’s dead, Mr. President. He had a gun, I had no choice”, sagt sie im wohlvertrauten Soldaten-Duktus, dann wendet der Mann sich ab. Was wirklich passierte, wird nie jemand erfahren, aber wir 24-Seher haben so eine Ahnung. Aber was hat eine Fernsehserie schon mit der Realität zu tun…