Monatsarchiv: April 2011

Caches statt Eier

OK, ein bisschen deppert kommt man sich schon vor, wenn man in aller Öffentlichkeit über einen Spielplatz streunt und dabei jeden Stein umdreht, hinter jeden Busch guckt und dabei immer das IPhone in der Hand hält. Aber das ist wohl ein Teil des Reizes beim Geocachen. Denn auch wenn einen alle anstarren wie einen Sittenstrolch, weiß man es selbst besser. Man weiß, dass die anderen nicht wissen, dass man was weiß, was die anderen nicht wissen.

Seit ich einmal ein MoJo-Video über ein paar Geocacher gedreht hatte, wollte ich es selbst ausprobieren. Und im Herbst hatte ich erstmals Zeit und machte mich erfolgreich in Mainz auf die Suche nach meinem ersten Cache. Dann, aus verschiedenen Gründen, einer davon war der Winter, passierte lange nichts mehr. Und so stand ich monatelang bei einem gefundenen Cache. Traurig. Aber nun zu Ostern war es wieder soweit. Auf einem Osterspaziergang mit Freundin und Hund der Eltern der Freundin rund um das im Harz gelegene Dörfchen Bad Sachsa kam ich plötzlich auf die Idee, mal zu schauen, was es hier so zu cachen gibt. Ganz ohne Vorbereitung, nur mit dem IPhone und der Geocaching-App ging es los. Zum Glück war dort überall perfekter 3G-Empfang, so dass es kein Problem war, alle nötigen Infos aus dem Web abzurufen. Und so waren schnell sechs Caches gehoben.
An diesem Tag wurde mir auch wieder der Reiz des Cachens bewusst. Man entdeckt Orte, die man sonst vielleicht nicht gefunden hätte, ganz ohne Reiseführer. Es war ein Riesenspaß, der erst endete, als der Akku des IPhone seinen Geist aufgab. Den Spielplatzcache haben wir übrigens auch gefunden; ohne dass jemand die Polizei rief. Ich bin jetzt jedenfalls wieder angefixt. Und habe auch direkt den ersten eigenen Cache versteckt. Wer Bock hat, ihn zu suchen: GC2V3PA müsste bald auf Geocaching.com gelistet sein. (images by me & peacockMedia)
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Bunny sets fire

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Osterfeuer in Friedrichsthal (Thür.)

Kritik zu Casino Royale

Weil er grade im TV läuft, grabe ich mal eine alte Kritik zu Casino Royale raus. Eine Zeit lang war ich mal auf der sehr netten, weil überschaubaren und familiären Film-Community Score 11 unterwegs und habe regelmäßig Reviews von Filmen geschrieben, die ich gesehen hatten. Zuletzt wurde das weniger, weil ich einfach seltener dazu komme, ins Kino zu gehen und nicht mehr ganz so viele Filme sehe. Hier also meine Kritik zu Casino Royale, die gleichzeitig ein Abriss der Brosnan-Filme geworden ist. Veröffentlicht habe ich sie auf Score 11 am 23.11.2006

 

“Es waren mehr Menschen auf dem Mond, als es Bond-Darsteller gibt.” Angeblich war es dieser Satz, der Daniel Craig bewogen hat, die Rolle des Bond anzunehmen und Pierce Brosnan abzulösen. Casino Royale ist die Gelegenheit um Pierce Brosnan zu würdigen, der einen Bond wie diesen eigentlich verdient gehabt hätte. 

 

Brosnan hatte die Rolle übernommen, als die Bond-Reihe auf dem Tiefpunkt war. Timothy Daltons umstrittene Auftritte verschreckten die Produzenten und das Ende des Kalten Krieges beraubte die Autoren dem klassischen Bond-Plot: Gut (Westen) gegen Böse (Osten). Brosnan sollte Bond renaimieren und in die neue Zeit führen. Und er machte es gut. Er erkannte, dass Bond eigentlich kein zeitgemäßer Charakter mehr ist und verlieh ihm ähnlich wie Roger Moore eine wohltuende Ironie. Er hatte aber ein Problem: Es gab keine Gegner. Verzweifelt versuchten die Drehbuchschreiber ein neues Feindbild aufzubauen und kamen dabei doch nicht vom Kommunismus los, weshalb Ex-Russenmilitärs, Chinesen oder Nord-Koreaner als halbgare Bösewichte herhalten mussten, immer wieder kam auch der obligatorische Nazi-Deutsche dazu. So richtig ausgeklügelt war das nicht, und um diese Schwäche zu kaschieren, überdrehte man die Action bis zur Grenze der Selbstparodie. Brosnan spielte verzweifelt gegen haarsträubende Plots an, versuchte dem Charakter einen Rest Tiefe und Eleganz zu verleihen und kam doch nicht dagegen an. Nur ihm ist es zu verdanken, dass die Bond-Filme überhaupt noch ernst genommen wurden.

 

Jetzt kam den Produzenten die jüngste Geschichte zu Hilfe. Der internationale Terrorismus nach dem 11. September bietet endlich wieder (nach den lahmen 90ern) ein Betätigungsfeld für Agenten des MI-6. Diese neue Weltordnung bot die Chance für einen Neustart der Reihe und so geschah es: Der jüngere und blondere Daniel Craig führt James Bond etwas verspätet ins Zeitalter des Terrorismus. Das Paradoxe an dem Film ist, dass er als Prequel angelegt ist: Bonds erste Bewährungsprobe als Doppel-Null. Der neue Bond nimmt sich der neuen Situation konsequent an. Er ist härter als alle Brosnans Bond (das was er in Korea durchmachte, wirkt wie Kindergarten gegen die Leiden von Casino Royale), die technischen Tricks sind kein Selbstzweck und man verzichtet auf den von Weltmachts-Unfug getriebenen Bösewicht.

 

Le Chiffre ist für mich die positivste Überraschung neben Daniel Craig. Zum ersten Mal erleben wir einen Bösewicht, der selbst nicht Herr der Lage ist, der auch nur von der Gnade seiner Terrorkunden abhängig ist. Ein verzweifelter und in die Enge getriebener Schurke ist mal was Neues. Somit kann Casino Royal konzeptionell voll überzeugen. Es gibt ein paar kleine Wermutstropfen. Daniel Craig macht definitiv Lust auf mehr Bond und man kann nur hoffen, dass uns die neue Ernsthaftigkeit erhalten bleibt. 

P.S.: Ludger “Krappi” Pistor alleine reicht schon für eine hohe Punktzahl.

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Gefällt mir: Neuer kündigt Wechsel via Facebook an

Manuel Neuer wird Schalke 04 verlassen, zu welchem Verein auch immer. ManUnited? Bayern? DSC Wanne-Eickel? Wir werden es bald erfahren. Das Bemerkenswerte: Manuel Neuer kündigt diesen Wechsel bei Facebook selbst an. Keine Pressekonferenz, keine Eil-Mitteilung der Agenturen, kein “wie BILD als erste erfuhr.”

Mir gefällt die ganze Aktion aus mehreren Gründen. Zum einen freut es mich für Manuel Neuer. Man kann drüber streiten, ob ein Wechsel zu Bayern richtig ist, aber grundsätzlich schadet Luftveränderung ja nicht. Mein Tipp: Er wird warten, ob Bayern sich für die CL qualifiziert. Wenn ja, geht er dorthin. Wenn nein, dann wahrscheinlich Ausland, am wahrscheinlichsten als Nachfolger von van der Saar zu United.

 

Nun zieht Neuer viele Hass-Kommentare auf sich. Dass er sich diesen bei Facebook direkt aussetzt, ist nur konsequent. So beugt er vor, dass irgendein dahergelaufener Gernegroß schnell eine “Neuer-Hass-Seite” gründet, über die dann die Medien hyperventilierend berichten können, dass sie schon “über XXX-Tausend Fans” hat. Stattdessen kann man seine Wut direkt bei Neuer abladen, aber das wird ja kompensiert dadurch, dass es auch viel Support für ihn gibt. Neuer holt sich die Kommunikation über ihn auf seine Seite, so wird’s gemacht.

 

Und an alle Ultras da draußen, die ihr euch zu Bewahrern der Fußballromantik verklärt: Ihr habt irgendwann mal was von Uwe Seeler gelesen und dass er ein Angebot von Inter Mailand ausschlug, um bei seinem HSV zu bleiben. Ja, das war herrlich, aber damals waren die Bälle auch noch aus Leder und wurden einfach “Fußball” genannt. Heute sind sie aus kaltgepresstem Latinum und heißen “Ego-Zocker” oder was weiß ich, wie. Der Profi-Fußball ist nicht mehr romantisch. Vielleicht war er das sogar nie, aber heute ist selbst die mühsam erbaute romantische Fassade von diesem Sport abgeblättert wie der schlecht aufgetragene Lack von meinem Gartentisch.

 

Fußball ist eine Sparte in der Unterhaltungsbranche. Er wird von vorne bis hinten inszeniert und die Mitwirkenden sind extrem gut bezahlte Angestellte eines Showgeschäfts. Aber es sind nicht mehr als Angestellte. Zuletzt ist der Fußball mit einer emotionalen Bedeutung aufgeladen worden, die ihm nicht gut tut. Wenn Manuel Neuer seinen Arbeitgeber wechseln will, ist das sein gutes Recht. Er wird deswegen sicher nicht weniger Schalker sein als vorher. Ihr Schalke-Fans müsst ja auch nicht alle auf der Geschäftsstelle Briefmarken anlecken, um als echte Königsblaue zu gelten.

 

Das zweite, was ich an Neuers Aktion toll finde, ist einfach die Art der Bekanntgabe. Es hat etwas Selbstbestimmtes, Authentisches. Auch wenn die FB-Seite sicher von der gleichen Agentur betreut wird, die auch seine Webseite macht, ist es mir immer noch lieber, als vorgefertigte Pressestatements von den Vereinen zu lesen. Fußballer sind viel zu lange von den Pressestellen des Vereins entmündigt worden. Es ist an der Zeit, dass die einen Teil ihrer Macht wieder abgeben und aufhören, jedem Fußballer jeden einzelnen Satz diktieren zu wollen. Je individueller die Kommunikation zwischen Sportlern, Fans und Journalisten ist, desto interessanter werden auch die Sportnews wieder (vielleicht). Jeder Fußballer mehr, der intensiv twittert oder Facebook nutzt, ist ein Gewinn.

 

Eine andere Konsequenz zeigt uns Meedia auf: Es wird für Journalisten immer wichtiger, die individuelle Kommunikation der Sportler zu beobachten. Es reicht nicht, auf die Agentur- oder Pressemeldung zu warten. Auf lange Sicht werden die überflüssig werden. Der Kontakt zwischen Sportler und Fan muss nicht mehr zwingend von Journalisten hergestellt werden. Aber wenn es Journalisten gibt, die selbst auf intelligente Weise den Kontakt zum Sportler suchen, die Fragen stellen, auf die sonst keiner kommt – vielleicht mit einem eigenen YouTube-Kanal – werden sie von den Fans sicherlich als Mittler akzeptiert werden. Das erfordert mehr, als nur das Weiterzugeben, was jeder Fan schon von alleine mitgekriegt hat. Um als Sportjournalist akzeptiert zu werden, wird man sich bald richtig anstrengen müssen. Gefällt mir.
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Ich hatte auch mal einen Donatello

Jeden Dienstag blickt der Angry Video Game Nerd, einer meiner liebsten Web-Charaktere, auf die Ära der Turtles zurück, sicherlich eine der prägendsten Zeichentrick-Serien der an prägenden Zeichentrick-Serien nicht eben armen 80er. Und hey, what can I say: The AVGN and me have something in common. Ich hatte auch mal einen Donatello. Es war meine Oma, die mich und meinen Bruder zu Weihnachten mit Turtles-Figuren ausstattete, so dass wir in der Nachbarschaft bestehen konnten. Natürlich gab es bei uns auch ein verwöhntes Kind, dass jedes coole Spielzeug immer als erstes hatte, was ihn wahrscheinlich zum Albtraum meiner Eltern gemacht hat. Und natürlich hatte er auch Turtles-Actionfiguren satt. Aber mit meinem Donatello und dem Raphael meines Bruders hatten wir die Gang komplett und es begannen lange, lange Turtles-Sessions.
Ich mochte Donatello tatsächlich am liebsten, vielleicht, weil er derjenige war, der Konflikte am ehesten auch mit dem Kopf lösen konnte, was einem, der stets als Klassenkleinster sein Dasein fristete, immer als die bessere Option erschien. Und wahrscheinlich war es auch Frank Zander, der mir, ohne dass ich es ahnte, aufzeigte, wer der heimliche Boss bei den Turtles war: Leonardo kämpft nach Donatellos Plan! Der wahre Mastermind bei den Schildkrötenkämpfern trug nicht das blaue, sondern das lila-farbene Stirnband. Donatello ist der Nerd im Schildkrötenpanzer. Und wer heute die Welt regiert, wissen wir ja nicht erst seit “The Social Network”. Auch wenn die Turtles sicherlich unter den Top 5, wenn nicht den Top 3 sind: Meine Lieblings-Zeichentrick-Serie aus der Zeit war eine andere. Doch dazu später mehr.

I See You: Die kleinen Geister unseres Alltags werden sichtbar

Dog
Clouds
Monk

Wer hat noch nicht verträumt in die Wolken gestarrt und auf einmal Drachen, Gesichter, Tiere oder andere, völlig absurde Formen am Himmel entdeckt? Die Phantasie spielt uns manchmal schon komische Streiche. Und wer sich genau umsieht, wird auf einmal überall Formen und Silhouetten erkennen. Im Muster eines Holzbretts lauert eine Hyäne, in einer Baumrinde ein Mönch, und sogar unter der Dusche hockt ein kleiner Kobold. Aber was wäre, wenn es gar nicht unsere Phantasie ist, die uns zum Narren hält, sondern wir im Gegenteil für einen kurzen Augenblick die kleinen, versteckten Geister sehen könnten, die sich in unseren Alltagsgegenständen verstecken? Zum Glück gibt es einen Blogger, der sie für uns sichtbar macht.

ZEIT-Magazin kläfft Medien an und keinen juckt’s

Schon wieder das ZEIT-Magazin: Nach dem Modeheft der letzten Woche kommt jetzt das Medienheft mit großem Tamtam. Die ZEIT kündigt selbstbewusst an, die Zurückhaltung gegenüber Kollegen und sich selbst abzulegen. Achtung, jetzt wird’s heftig, soll das wohl heißen, der große Rundumschlag in Sachen Journalismus in Deutschland könnte jetzt folgen. Doch die deutsche Medienwelt kann aufatmen: Wenn das Sprichwort von den bellenden Hunden und dem Beißen stimmt, dann ist das ZEIT-Magazin einer von diesen kleinen, fiesen, rattengroßen Dreckskläffern, die von dicken, aufgedonnerten Frauen durch die Fußgängerzone geführt werden, alles und jeden anbellen, und bei denen einen immer der Drang überkommt, sie mit einem Fußtritt quer durch die Luft zu befördern.

Lange habe ich nicht mehr so ein belangloses Zeug zum Zustand des deutschen Journalismus gelesen. Selbstkritik wollen vier ZEIT-Journalisten üben, nur einer kriegt es irgendwie hin: Jörg Burger, der hinterfragt, ober eine übergewichtige Familie richtig dargestellt hat. Bei den anderen ist es eher selbstgefälliges Räsonieren darüber, ob man wirklich als ZEIT-Autor so geil ist, wie man immer dachte. Ergebnis: Eigentlich nicht, aber jetzt, wo ich mir das klar gemacht habe, eigentlich doch wieder. Vielleicht sogar ein bisschen mehr als vorher.

Drei Zeitredakteure antworten dann auf Leserkritik. Marc Brost macht zumindest Vorschläge, wie man die eigene Arbeit transparenter machen könnte. Anna von Münchhausen und Jens Jessen hingegen gehen auf die perfideste Art mit Leserkritik um, die es gibt: Sie wenden die Kritik gegen die Kritiker. Aus 567 Leserbriefen zum Thema Guttenberg wählt die Autorin ausgerechnet einen aus, in dem ein offenkundig verwirrter Schreiber sich wünscht, dass es in Deutschland ein Mediengesetz wie in Ungarn geben müsse. Ist ja krass, was für Spinnereien Frau von Münchhausen so in ihrem Postfach hat, aber was hat eine Leserbrieffreakshow mit Selbstkritik zu tun? Die ZEIT verfährt mit ihren Lesern wie Deutschland mit Ausländern: Bevor wir dich integrieren, lern erstmal Deutsch, dann reden wir weiter. Jessen setzt dann immerhin noch einen drauf und erklärt alle, die das Feuilleton für elitär und abgehoben halten, für zu blöd, das elitäre und abgehobene Geschreibsel zu verstehen. Wenn die Aufgabe war, jegliche Zurückhaltung gegenüber den Lesern abzulegen: Das hat die ZEIT zumindest geschafft.

Die Geschichte über die BILD habe ich gar nicht erst gelesen: Fett gedruckt war das Zitat von Matthias Döpfner, das gefühlt in jedem Artikel über die BILD drin steht: Wer mit uns im Fahrstuhl nach oben fährt, wird auch von uns persönlich den Schacht wieder runter getreten, fährt auch mit uns wieder runter. Beim Überfliegen habe ich dann noch was von Charlotte Roche gelesen, die Geschichte wurde nun auch schon dutzendfach erzählt. Das ist natürlich richtig mutig von der ZEIT, sich für ihre Medienkritik das weicheste und einfachste Ziel zu suchen, das Deutschland zu bieten hat. Fehlte nur noch ein Text über RTL II, dann wäre das Heft richtig rund geworden.

Zum Schluss wird man dann als Leser noch mit der Geschichte über irgendein lokales Blog gelangweilt, das es geschafft hat, der Zeitung vor Ort Konkurrenz zu machen. Wann ging das Heddesheimblog an den Start? Ich weiß es nicht mehr, ist schon zu lange her. Zielsicher wurde hier jedenfalls das abgeschmackteste Thema zum Verhältnis Print/Online rausgesucht, das es gibt. Relevanz? Nullinger. Das ist keine Selbstkritik, das ist eine Zustandsbeschreibung.

Mit diesem Heft wird leider so ziemlich alles bestätigt, was man an Negativem über Medienkritik sagen kann: Dass Journalisten Angst vor Kollegenschelte haben, dass die Augen vor den wirklich krassen Fällen verschlossen werden und dass man letztlich keinen Bock hat, eigene Verfehlungen offenzulegen. Weiß nicht, wessen schlechtes Gewissen die Redaktion damit beruhigen wollte, aber wenn die Kollegen dieses Thema irgendwann noch mal angehen wollen, fangen sie am besten mit diesem Heft an.

Rise of the Planet of the Apes: Sieht gar nicht so affig aus

Eben bei den 5 Filmfreunden habe ich den Trailer zum neuen “Planet der Affen”-Film gesehen. Nachdem Tim Burtons Remakemit Mark Wahlberg in der Hauptrolle doch eher dünne war, sieht der ganz spannend aus. Die Story sieht nach Prequel aus und scheint mir erst mal nicht sonderlich originell zu sein: Wir erschaffen unsere Bedrohung selbst, natürlich durch fiese, böse Gentechnik (wann tut endlich jemand was gegen diese Gene?). Der Beginn sieht jedenfalls irgendwie nach 28 Days later aus. Später erkenne ich “Jurassic Park” (“Solange sie nicht gelernt haben, Türen zu öffnen…) und “Die Vögel”. Bin gespannt, wie erfolgreich ein Film sein wird, von dem jeder das Ende kennt. Ich sag nur: Freiheitsstatue. Aber wann kommt jetzt endlich das lang erwartete Musical?

 

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Aus meinem RZ-Blog: Ein Moment am Handy, der alles verändert

Ein Fundstück im Fußballblog El Fútbol brachte mich auf die Spur eines Webvideo-Erfolgs aus Ostfriesland. In meinem MoJo-Blog MOmenthabe ich beschrieben, wie dieses Video zustande kam und wie es einer kleinen Lokalzeitung einen unverhofften Traumstart für ein neues Portal brachte.

 

http://blog.rhein-zeitung.de/?p=14594

Zwei, die nicht zusammenpassen: Tatort München und Hartz IV

Wenn es darum ging, die soziale Realität in Deutschland im Krimi-Genre abzubilden, waren die Fälle der leider ausgeschiedenen Frankfurter Ermittler Dellwo und Sänger immer vorne mit dabei. Häufig waren die Geschichten mehr Milieu-Studien, denn klassische “Whodunit”-Ermittlergeschichten. Oft blieb man verstört zurück, immer gab es was zu diskutieren, man kam ins Nachdenken. Und wie keine andere Stadt bot Frankfurt die perfekte Kulisse für diese Geschichten, wo die Kluft zwischen Assi- und Banker-Milieu so spürbar ist, wie sonst nirgendwo in Deutschland. Der Schickeria-Metropole München hingegen mag man das Hartz-IV-Milieu einfach nicht abkaufen. Zumindest nicht, wenn es so mit so wenig Entschlossenheit dargeboten wird, wie im Fall von Batic und Leitmayr vom Sonntag.
Auf der einen Seite steht da ein wohlhabender Samariter mit Jagdschein samt üppig bestückter Ehefrau aus Altötting, die ihrerseits noch einen jungen Künstlerliebhaber mitbringt. So weit, so münchenklischeehaft. Auf der anderen Seite haben wir ein 13-jähriges, dickes, zu früh erwachsen gewordenes Mädchen mit Baby-Schulranzen, die sich im sozialen Moloch einer Hochhaus-Siedlung behaupten muss. Der Vater ist weggelaufen, die Mutter ist schizo und sogar 10-Jährige machen sich über “Nessi” lustig. Das ist dick aufgetragen, aber trotzdem glaubwürdig. Doch bei dem Versuch, beide Welten zusammenzubringen, scheitert dieser Tatort. Das haben die Macher offenbar auch gemerkt und greifen deshalb zu teils wirren Schnitten, um das zu kaschieren. Schon die erste, auf den Schluss vorgreifende Sequenz funktioniert nicht, weil sie keine Spannung erzeugt, sondern den Zuschauer nur ratlos zurück lässt. Das Stakkato aus verwirrter Frau, Blaulicht, Batic und Blut soll wohl irgendwie modern wirken, sieht aber aus, als hätte jemand den Trailer eines anderen Films vor den eigentlichen Beginn geschnitten. Die dramatische Einführung, auf die eine Rückblende folgt, ist ein Klassiker, der hier mal völlig versaut wird.
Passend dazu missrät dann auch das Ende des Films völlig. Die Auflösung des Krimi-Plots kann man je nach Lesart entweder als klassisch oder profan bezeichnen, originell ist sie in keinem Fall. Vor allem, weil man sich dabei fragt, warum man sich die ganze Hartz-IV-Dramatik überhaupt geben musste. Aber da ist ja noch das Mädchen, nachdem hektisch und mit viel Blaulicht in der Kulisse von Hinterhofpennern und Kellerlochjunkies gesucht wird. Natürlich wird sie von den Kommissaren gerettet, ihr Leben ist trotzdem zerstört. Doch, und jetzt wird es wirklich ärgerlich, der gute Ivo und der liebe Franz – der das Mädchen zu allem Überfluss an ihren Vater erinnerte – witzeln das alles bei einer Brezel weg. “Keinen Vater, keine Mutter mehr? Macht doch nix, gibt doch betreutes Wohnen für dich.” Und um dem ganzen die Krone aufzusetzen, darf einer ihrer schlimmsten Peiniger sich am Ende auch noch mit einem flotten Spruch rehabilitieren und als Retter in der Not erscheinen. Zum Glück kann man davon ausgehen, dass die zahlreichen realen Nessis in Deutschland wohl kaum zur Kernzuschauerschaft des Tatorts gehören. Sie hätten sich jetzt endgültig im falschen Film gefühlt. Dass der, der dich jeden Tag auf dem Schulweg abrippt, belästigt und als “Opfer” beschimpft in Wahrheit dein bester Freund sein soll, kann sich nur jemand ausdenken, der völlig naiv oder nur noch zynisch ist.
Die letzte Szene kleidet sich dann auch konsequenterweise schon wieder in Tracht. Verstört wird hier niemand, stattdessen bleibt das gute Gefühl, dass der Ausflug der Münchener in die Assi-Welt beendet ist. Am Ende sind wir wieder bei der drallen Schönheit, den unentwegt frotzelnden Stenzen aus dem Kommissariat und dem Leben, wie es sein sollte. Ja mei, wie hieß das dicke Mädchen gleich noch?

 

Eine ebenso euphorische wie verschwurbelte Rezension zum Münchener Tatort aus der SZ
Etwas verständlicher: Der Freitag